28. Oktober 2020
Horn

Bewusstsein für Geschichte stärken

Woche des gedenkens unter dem Titel „Mitten unter uns“

Das Titelmotiv der Gedenkwoche(n): Bei einem Besuch Hitlers bei Blohm + Voss 1936 verweigert ein Arbeiter in der Menschenmenge den „Deutschen Gruß“ Fotos: Scherl/SZ photo, wb

BILLSTEDT/HORN Vom 1. bis 15. November findet die „Woche des Gedenkens“ unter dem Titel „Mitten unter uns“ im Bezirk Mitte statt – diese war eigentlich für das Frühjahr, unter Einschluss des 8. Mai als „Tag der Befreiung von der NS-Diktatur“, geplant, fiel aber wegen der Pandemie aus.

Außer der Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus, vornehmlich an heute zum Bezirk gehörenden Orten, wollen die Initiatoren „das Bewusstsein für unsere Geschichte“ stärken, um die „Propaganda der Intoleranz, des Hasses, der Ausgrenzung, der Verfolgung und des Faschismus nie wieder erstarken zu lassen“.

Passend dazu entschied man sich als optisches Titelmotiv auf der Website, Plakaten und Postkarten für eine Bildikone, welche Arbeiter der Blohm+Voss-Werft beim Stapellauf des Segelschulschiffs „Horst Wessel“ am
13. Juni 1936 in Anwesenheit von Adolf Hitler zeigt – nur ein Mann in der Menschenmenge verweigert dabei widerständig den „Deutschen Gruß“.

Das Programm beinhaltet außer der zentralen Gedenkfeier am 8. November (siehe dazu Kasten unten) Ausstellungen, Online- Interviews, Führungen, Filme sowie Lesungen und Diskussionen. Die Kooperationspartner Museum für Hamburgische Geschichte, Bücherhallen Hamburg und das Metropolis Kino stellen dafür ihre Räume zur Verfügung. Sofern es die Situation erfordert, könnten geplante Präsenzveranstaltungen wohl auch kurzfristig virtuell angeboten werden.

Einen Schwerpunkt bilden Interviews von Schulprojekten, so auch mit Esther Bejarano, die das KZ Auschwitz-Birkenau überlebte. Am
9. November, Tag der Po-gromnacht 1938, findet eine Gedenkfeier der Jüdischen Gemeinde bei der zerstörten Bornplatz-Synagoge statt. Einen besonderen Akzent setzen die Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar und Rudolf van Hüllen mit ihrem Vortrag „Blinde Flecken des Gedenkens“ und dem Plädoyer, dass dieses „lernfähig“ und nicht zu einem „toten Ritual“ erstarren solle.

Unter gedenken-hamburg-mitte.de finden sich Infos zu allen Veranstaltungen sowie eine „Infothek“ mit Hinweisen auf Links, Publikationen und Filmen zum Thema

 

zentrale gedenkveranstaltung
Vorträge: „Kriegsende und Befreiung vor 75 Jahren – Wegmarken der Erinnerung in Hamburgs Mitte“ (Prof. Detlef Garbe – Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen); „Gedenken für die Zukunft“ (Prof. Dr. Dr. Rainer Hering – wissenschaftlicher Berater der Woche des Gedenkens). Im Foyer stellen die Vereine und Initiativen der Erinnerungs- und Gedenkkultur sowie die Geschichtswerkstätten ihre Arbeit und Programme vor. Aufgrund der vorgegebenen Hygiene- und Abstandsregeln werden maximal 40 Personen eingelassen. Anmeldung unter anmeldung@gedenken-hamburg-mitte.de. Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und tags darauf online gestellt. (fra)
‰ Sonntag, 8. November, 14–17 Uhr, Museum für Hamburgische Geschichte, Holstenwall 24, Großer Hörsaal

 

Die Überlebende des KZ Auschwitz Esther Bejarano stellt sich online einem Schulprojekt-Interview

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