27. Januar 2023
Hammerbrook

Abschiedsstimmung am Bullerdeich

Hallo e.V. muss das alte Kraftwerk verlassen

Freunde der Schaltzentrale formieren sich vor dem Haus Fotos: Timm

HAMMERBROOK Im Kraftwerk an der Bille wird ausgeräumt: Der Hallo e.V., seit gut acht Jahren am Bullerdeich aktiv, muss ausziehen. Jetzt wurden Einrichtungsgegenstände versteigert.

Bürostühle, Sofas, alte Rekorder, ein Tisch: Immer mehr sammelt sich am Sonnabend im Innenhof der „Schaltzentrale“ – intern liebevoll „Schalti“ genannt. Im Hochparterre ist ein Kuchenbuffet aufgebaut, viele Gäste kennen sich, zur Begrüßung gibt es schon mal eine Umarmung. Wie Abschiedsstimmung fühlt es sich nicht an. Dabei geht die Zeit im einstigen Kraftwerk zu Ende – und der Hallo e.V. verliert seine Heimat. Oder gibt es Chancen für eine andere Bleibe?

Dorothee Halbrock vom Ver-ein muss mit ihren Leuten in diesem Januar die Räume verlassen. Damit ist nicht nur das „künstlerische Stadtteilbureau“, die Schaltzentrale, gefährdet, sondern noch ein viel größeres Projekt: Es nennt sich WERK und sah vor, ein sich selbst tragendes Haus für Handwerker und Kreative zu schaffen. Dafür machten der Bund und der Bezirk Mitte 7,5 Millionen Euro locker. Die bisherigen Besitzer haben das Kraftwerk verkauft. Der neue Eigen-tümer will nur einen Mietvertrag anbieten.

Dorothee Halbrock stellt klar, dass der Verein Räume auf Dauer sucht (was auch die Zuschussgeber für das WERK verlangen). Die Anmietung der einstigen Schule am Bullenhuser Damm (mit der Gedenkstätte für dort ermordete Kinder) kam nicht zustande.

Die Schaltzentrale gibt es seit 2016, ihre Räume wurden mit Geldern des Bezirks hergerichtet. Ausstellungen, Workshops, ein Radio, das Café und – nicht zuletzt – ein gut funktionierendes Netzwerk (zu dem auch der Ruderver-ein an der Bille gehört) sind das Ergebnis dieser Arbeit. Und nebenan ist aus der alten Brache ein schöner Park entstanden.

Betroffene wollen sich vernetzen

Bevor die eigentliche Auk-tion beginnt, bildet sich vor dem Kraftwerk eine kleine Kette aus gut drei Dutzend Menschen. Brechts „Mackie Messer“ aus seiner Dreigroschenoper erklingt, Dorothee Halbrock umreißt in einer kurzen Erklärung, worum es geht. „So können wir nicht arbeiten“, die Losung der neuen Arbeitsgemeinschaft Ost, steht auf knallgelben Aufklebern und einem Transparent, das aufgehängt wird.

Die Politik hat nicht auf-gegeben – entsprechend äu-ßert sich Bezirksamtsleiter Ralf Neubauer (SPD): „Das WERK-Konzept überzeugt uns nach wie vor, deshalb suchen wir derzeit nach einem alternativen Standort.“ Gleichzeitig sei der Bezirk mit dem Bund in Gesprächen, „um die Fördermittel auch für einen möglichen neuen Standort zu sichern“.

Jetzt hat sich die AG Ost gebildet, in der sich Leute sammeln, die mit Kultur, Sport und Geschichte zu tun und nicht selten Schwierigkeiten haben. Nicht nur die ebenfalls ihren Raum verlierende Mundhalle gehört dazu, sondern auch der Ruderverein Bille, die Initiative Dessauer Ufer, Mikropol, die Oldtimer Tankstelle in Rothenburgsort, die Vereinigung der Kinder vom Bullenhuser Damm und andere. Der Hamburger Osten stehe vor Veränderungen, Mieten und Bodenpreise stiegen, Verdrängungsprozesse verschärften sich. Ob sich für all das Lösungen auftun, bleibt abzuwarten.

Versteigerung im Innenhof der Schaltzentrale: Was verkauft wird, muss nicht untergebracht werden

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