30. Juli 2022
Hamm

Jetzt kommt das Anwohnerparken

Behörde hat Online-Befragung gestartet

Die Straße Beltgens Garten wäre für das Anwohnerparken prädestiniert Foto: to

HAMM/BORGFELDE Der Landesbetrieb Verkehr (LBV) will von Hamm bis in die Uhlenhorst sechs neue Bewohnerparkgebiete schaffen. Eine Online-Befragung für die Bewohner ist jetzt gestartet worden.

Anderswo in der Stadt gab es deswegen schon mächtig Ärger: Zwischen der Eiffestraße im Süden und der S-Bahn-Strecke im Norden soll es spätestens Anfang 2023 eine Bewohnerparkzone geben. Für diese und fünf weitere Gebiete läuft seit vergangenem Montag eine Online-Umfrage.
Und das geht so: Alle volljährigen Bewohner bekommen Post mit dem Link zur Umfrage und den individuellen Zugangsdaten. Druckexemplare gibt es laut LBV bei der Polizei im PK 31, Oberaltenallee 42. Die Umfrage läuft bis einschließlich 22. August.

Weiter heißt es, die Rück-meldungen der Bewohner würden in den „Bewertungs- und Realisierungsabwä-gungsprozess“ einfließen und wirkten sich auf die „Feinplanung“ aus. Die Einführung dieser Zonen, betont der LBV gleich zweimal, ziele auf eine „faire Aufteilung des öffentlichen Raumes zwischen allen Nutzergruppen ab“. Parkdruck solle verringert, die Parkplatzsuche für die Bewohner erleichtert und die Verkehrssicherheit erhöht werden.

Die gegenwärtige Situation sei „systematisch erfasst“ worden. Das Ergebnis bestätige, „dass insgesamt eine sehr hohe Parkraumauslastung in dem Gebiet zu verschiedenen Uhrzeiten vorhanden war“. Unterschiedliche Straßen hätten zeitweise sogar mehr als 100 Prozent gezeigt. In der Woche seien bis zu 30 Prozent der Plätze mit Fremdparkern belegt. Bisherige Erfahrungen hätten gezeigt, dass in Bewohnerparkzonen der Parkdruck abnehme. Dadurch gewonnene Kapazitäten wolle die Verkehrsbehörde dafür nutzen, „um weitere Erleichterungen für Handwerksbetriebe mit Betriebssitz in Bewohnerparkgebieten zu prüfen“, das soll auch für Schichtarbeiter gelten.

Bewohner können einen Parkausweis online oder direkt beim LBV beantragen (beim LBV ist er mit 70 Euro fünf Euro teurer als im Netz). Besucher können einen Tagesausweis (3 Euro/Tag) kaufen. Alle anderen könnten maximal drei Stunden mit Parkschein parken (3 Euro/Stunde). In Borgfelde soll montags bis freitags von 9 bis 20 Uhr bewirtschaftet werden. Die Ausdehnung solcher Zonen mit maximal 1000 Metern seien „bundesrechtlich festgelegt“, somit müssten mehrere eingeführt werden. Außer in Borgfelde/Hamm gibt es parallel in Hohenfelde und auf der Uhlenhorst Umfragen.

Alles intransparent

Man kann ja darüber hinwegsehen, dass der LBV mitten in den Ferien eine Umfrage unter den Leuten startet, die dort wohnen, wo es sie einmal geben soll. Und man kann auch außer acht lassen, dass das verquaste Verwaltungsdeutsch durch unsinniges Gendern noch undurchsichtiger wird.
Drei Dinge machen allerdings Kopfschmerzen: Der LBV sagt nicht, wie die Ergebnisse der Bewohner in die weiteren Pläne einfließen. Und es werden kaum Lehren aus dem Umstand gezogen, dass es anderswo in der Stadt gewaltig geknirscht hat, als solche Zonen eingeführt werden sollten. Und drittens ist anzumerken, dass die Einführung offensichtlich längst feststeht. Gute Verkehrspolitik heißt nicht nur, dass man „allen Nutzergruppen gerecht“ wird, sondern dass Verkehrsströme regelmäßig analysiert werden und eine Vision vorangetrieben wird, die mehr ist als nur eine Mobilitätswende. Und nicht zuletzt: Die Rechnungen gehen schlicht nicht auf. Hamburg baut Wohnungen auf Teufel komm raus, das zieht neue Parker an. Da ist noch viel zu tun, und langsam wird es Zeit. Frank Berno Timm

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