23. Juli 2022
Hamm

Ein Leben für die Musik

Diemut Kraatz-Lütke seit 25 Jahren an der Hammer Dreifaltigkeitskirche

Unterhaltungen mit Diemut Kraatz-Lütke sind lebhaft und inspirierend Foto: Timm

HAMM Nicht nur die„Großen“ haben etwas zu erzählen. In unserer Serie „Auf einen Kaffee mit…“ stellen wir deshalb die unterschiedlichsten Menschen vor.

Ein Café am Hammer Park, wir sitzen drinnen. Meine Gesprächsnotizen vom Treffen mit Kirchenmusikdirektorin Diemut Kraatz-Lütke fallen knapp aus. Was vielleicht daran liegt, dass wir uns schon kennen. Oder daran, dass wir beide aus Pastorenfamilien stammen und so schnell wissen, wovon wir reden.

Wesentlich ist etwas anderes: Mein Gegenüber ist lebhaft, durchaus nicht ohne Humor, in manchem deutlich. Die Kernbotschaft der Musikerin, die am 1. August ihr 25-jähriges Dienstjubiläum an der Hammer Dreifaltigkeitskirche feiert: „Ihr müsst das alle zusammen tragen.“ So versteht sie die Arbeit mit ihren Chören.

Doch an den Anfang: Diemut Kraatz-Lütke, die in ihren Proben durch Humor gewürzte Autorität zu fesseln weiß, sieht sich mehr als Chorleiterin, denn als Organistin. Als sie nach Hamm kam, hat sie zwei bestehende Chöre zusammengelegt und mit einer Arbeit begonnen, deren Früchte sie heute erntet. Einige der Sänger in ihrem großen Konzertchor, dem Chor „HAMMonie“, hatte sie schon in ihrem Kinderchor. Als sie vor Jahren ein Programm aus Höhepunkten der regelmäßigen Kindermusicals auf die Bühne brachte und dazu Ehemalige einlud, war die Verblüffung groß: „Die können das alle noch“, merkte sie bei den Proben.

Diemut Kraatz-Lütke hält nichts davon, Spitzensänger aus den Kirchenchören herauszulösen und mit ihnen hochklassige Kammerensembles zu formieren. Da gebe es auf der anderen Seite schließlich jene, die „übrig bleiben“. Und sie beklagt, dass die Gelder für Kirchenmusik abnehmen und Stellen, die bislang von A-Musikern (das ist die Spitzenklasse) wahrgenommen wurden, nur noch als B-Stellen ausgeschrieben werden.

Nach einem viertel Jahr-hundert ist die Hammer Kirchenmusik oben angekommen. Kurz vor der Pandemie sang der Chor „HAMMonie“ Mendelssohns „Elias“. Während der Corona-Zeit gab es Onlineproben und sonntags kleine Chorgruppen, die in den Gottesdiensten sangen. Und schließlich, es ist erst wenige Wochen her, ein Konzert mit Musik von George Gershwin.

Dass die 54-Jährige das alles stemmt, hängt gewiss auch mit der Familie im Hintergrund zusammen. Zwei Söhne studieren an der Musikhochschule, ihr Mann Dominik ist freier Klavierlehrer und selbst versierter Chorsänger. Diemut Kraatz-Lütke, die in Westfalen (Herford und Detmold) studiert hat, erzählt vom Elternhaus: „Wir haben viel diskutiert“. Dass Glauben auch politische Konsequenzen hat, ist für die Kirchenmusikerin eine Selbstverständlichkeit. Kirchenmusik, fügt sie hinzu, sei für sie Verkündigung – was sie täglich lebe.

Außer ihrer Hammer Arbeit ist die Kirchenmusikdirektorin (das ist ein Ehrentitel) auch mit 25 Prozent ihrer Zeit als Kreiskantorin unterwegs: „Ich habe die Fachaufsicht über Kollegen meinet Propstei“. Sie gehe in die Gemeinden, werde auch bei Konflikten angerufen.

Und? Diemut Kraatz-Lütke macht Pilates und hat ein wichtiges Hobby: „Ich kann abends nicht einschlafen, ohne gelesen zu haben.“ Und von Musik kann sie auch sonst nicht lassen: „Ich liebe die Oper.“

So., 31. Juli, kleiner Empfang nach dem Gottesdienst um 10 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche, Horner Weg 2

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