5. November 2022
Hamm

„Ein Abbild der Grausamkeit des Krieges“

25 Jahre Bunkermuseum Hamm. Bürgermeister Peter Tschentscher würdigt die Einrichtung

Bürgermeister Peter Tschentscher (Mitte) besuchte die Bunkerröhre, die in den Originalzustand zurückversetzt wurde und ließ sich von Gunnar Wulf und Kerstin Raßmussen einweisen Fotos: Grell

HAMM Das Bunkermuseum am Wichernsweg ist das einzige Museum der Stadt, das auf dramatische Weise daran zurückerinnert, welche Ängste Menschen während eines Bombenangriffs im Zweiten Weltkrieg in diesen dunklen Röhren ertragen mussten. Jetzt wird das Museum 25 Jahre alt – und Gunnar Wulf vom Stadtteilarchiv Hamm lud aus diesem Anlass Bürgermeister Peter Tschentscher zu einem Besuch ein.

Eine schmale Treppe führt hinter einer versteckten Eisentür hinunter zu den engen Bunkerröhren. Schon nach den ersten Minuten in den röhrenförmigen Kammern mit dicken Beton-Wänden, die fünf Meter unter der Erde versteckt liegen, können Besucher eine Vorstellung von der Situation der Schutzsuchenden bekommen, die hier in Todesangst zu Hunderten eingepfercht nahe der Wiechernkirche während eines Bombenangriffs der Alliierten darauf warten mussten, wieder ans Tageslicht hinauszuklettern.

Was sie dann erwartete, kann sicherlich keiner der Besucher heute noch ermessen: „Hamm wurde zu 96 Prozent im Krieg zerstört“, berichtet Wulf. Für Frischluft sorgte im Bunker nur ein Ventilator, der per Handkurbel betätigt werden musste. Eine Toilette gab es nicht, nur einen offenen Abort, der für wahnsinnigen Gestank gesorgt haben muss. Bereits 1998 wurde der vierräumige Röhrenbunker von Gunnar Wulf, Leiter des Stadtteilarchivs, und seiner Kollegin Kerstin Raßmussen entdeckt und wieder instand gesetzt.

Einen der Räume haben Wulf und seine Mitarbeiter wieder in den Originalzustand zurückversetzt: An den Wänden stehen Bänke, auf denen sich Menschen zusammendrängen mussten, auf der anderen Seite stehen Regale, auf denen Exponate zu sehen sind, die als Zeugen der Bomenangriffe zurückgeblieben sind, darunter eine von der Hitze verformte Glasflasche, Gasmasken und Grantsplitter.

Mit der Öffnung dieses Ortes als Museum mit Vorträgen, Ausstellungen und Rundgängen ist ein einzigartiges Mahnmal entstanden, das „unvorstellbar macht, dass gerade heute wieder Menschen in Europa im Krieg Schutz suchen müssen“, betont Tschentscher in seiner Rede zum 25-jährigen Bestehen des Museums. Er bedankte sich ausdrücklich für die intensive Arbeit des Teams und betonte die Wichtigkeit einer solchen Stätte, die noch einmal die Grausamkeit des Krieges darstelle. Das Museum im Wichernsweg 16 ist donnerstags von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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