15. Januar 2022
Hamm

„Behördlicher Offenbarungseid“

Kids in die Clubs Kritik an Antwort aus dem Rathaus

Foto: GettyImages

HAMM Mit deutlichen Worten hat sich Hans-Detlev Kunz, Vorsitzender des SC Hamm 02, Luft gemacht: Er hatte von der Sozialbehörde eine Antwort auf den Brief erhalten, mit dem die Probleme bei dem Programm „Kids in die Clubs“ angemahnt wurden.

Die Antwort komme einem behördlichen Offenbarungseid gleich, sie widme sich den Problemen nicht wirklich. Für Kunz zeigt sich, dass das Problem als „politisch irrelevant“ von der Sozialsenatorin und dem Innensenator ignoriert werde.
Wie berichtet, können Kinder aus „bedürftigen“ Familien in hamburgweit 170 Sportvereinen durch dieses Programm kostenfrei trainieren. Kunz hatte in seinem ursprünglichen Brief beklagt, dass die Vereine ehrenamtlich komplizierte Anträge für die Kinder stellen müssten, und eine Lösung angemahnt.

Die Antwort der Sozialbehörde liegt unserer Redaktion vor. Sie stammt von Carsten Möller, Leiter der Abteilung Grundsatzaufgaben des Sozialhilfeträgers. Man bedauere, dass das Abrechnungsverfahren nicht „so angepasst werden konnte, dass es auch in den nächsten Jahren unter den gleichen Bedingungen fortgeführt werden kann“. Möller nennt allerdings auch kein Datum, zu dem diese Anpassung erledigt sein soll.

Und er argumentiert, das Programm „Kids in die Clubs“ werde bereits seit 2011 hauptsächlich „über die individualrechtlichen Leistungsansprüche von bildungs- und teilhabeberechtigten Personen“ finanziert. Das Bezirksamt Eimsbüttel, das für die Leistungen zuständig sei, könne das Geld nicht an Pflegekinder oder an Kinder aus Schleswig-Holstein zahlen.

Das Hamburger Wochenblatt hatte am 6. Januar schriftlich in der Sozialbehörde angefragt, wann das ausstehende Geld aus dem Jahr 2021 ausgezahlt werde. Außerdem wollten wir wissen, ob solche Anträge auch abgelehnt werden. Bis Redaktionsschluss lag auf diese Fragen keine Antwort vor.

Unbegreiflich

Man muss den Brief aus der Sozialbehörde schon zweimal lesen. Oder dreimal. Im Kern heißt die Antwort auf die Kritik des SC Hamm 02: Da könnte ja jeder kommen. Aber es geht um Kinder. Die nichts dafür können, dass sie arm sind. Und wer die Hartz-IV-Seite des Lebens kennt, weiß: Dieser Brief passt ins Bild. Wer den Bescheiden der Hartz-IV-Verwalter widerspricht, bekommt genau in diesem Ton Antwort. Dabei müsste man, Rechtslage hin oder her, alle Hebel in Bewegung setzen, um betroffenen Kindern Bewegung zu verschaffen. Dass sich die Vereine auch noch – ehrenamtlich! – mit den Anträgen für das Geld herumschlagen müssen, ist eine zynische Zugabe. Es wird Zeit, dass in den Amtsstuben der Sozialbehörde Anstand einkehrt. Und zwar augenblicklich. Zieht den Brief zurück und schreibt ihn neu – mit einer Lösung, die diesen Namen verdient.


Hans-Detlev Kunz ist Vorsitzender des SC Hamm 02
Foto: privat

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