11. Juni 2022
Farmsen

Deponie vor der Aufforstung?

Neues Gutachten soll Klarheit bringen

Wächst zu: Fußballtor auf dem ehemaligen Deponie-Gelände Foto: tel

FARMSEN Im nächsten Jahr liegen die Insolvenz des Post SV und die Beendigung des Spielbetriebs auf der Sportanlage am Neusurenland bereits zehn Jahre zurück. Aber noch immer ist nichts passiert mit der ehemaligen Tongrube, die nach dem Krieg bis Anfang der 1970er Jahre als Mülldeponie genutzt wurde.

Nach wie vor schlummert unter der rund 46.000 Quadratmeter großen Fläche gegenüber dem Strandbad Farmsen ein brisanter Giftcocktail aus Hausmüll, Bauschutt und Industrieabfällen. Mit einem Gutachten, den die Umweltbehörde in Auftrag gegeben hatte, scheiterte 2019 das Vorhaben, auf dem Gelände Wohnungen durch die mgf Gartenstadt Farmsen Mieter- und Wohnungsbaugenossenschaft errichten zu lassen: Die Sanierungskosten wurden auf 190 Millionen Euro, die Dauer der Sanierung auf rund zwölf Jahre geschätzt. Jetzt startet die CDU, die bereits mehrfach Vorschläge zur Nachnutzung (neues Eisstadion) gemacht hat, einen weiteren Versuch die Diskussion in der Lokalpolitik wieder zu beleben.

So könnte auf dem Gelände eine Photovoltaikanlage elektrischen Strom erzeugen. Aber auch eine Aufforstung wäre nach Ansicht des Bramfelder Bürgerschaftsabgeordneten Sandro Kappe sinnvoll. Letzteres müsse aber noch in einem entsprechenden Gutachten geprüft werden, so der Senat. Wann ein solches Gutachten ausgeschrieben wird, teilt der Senat allerdings nicht mit. „Sollte es sich als möglich herausstellen, würde ich eine Aufforstung begrüßen.

Ein neuer Wald verbessert die Lebensqualität in Farmsen“, so Kappe. Die Fläche am Neusurenland ist freilich nicht die einzige Altlast, um die sich die Stadt kümmern muss. So teilt der Senat mit, dass die Summe aller Altlasten-Flächen in der Hansestadt derzeit mehr als 34 Millionen Quadratmeter beträgt.

Sanierungsarbeiten laufen danach permanent. Zur Zeit wird beispielsweise ein städtisches Grundstück Am Stadtrand 62 (Tonndorf) saniert. Die Arbeiten sollen im ersten Halbjahr 2023 beendet sein. Die Flächen Spülfeld Tatenberger Deich und Boberger Niederung (Dioxinschaden) sollen folgen.

Ein Wald für Farmsen

Einen Mangel an Kreativität kann man der Wandsbeker CDU in Sachen Deponie Neusurenland nicht absprechen: Nachdem das ursprüngliche Vorhaben, das Gelände für eine spätere Wohnbebauung zu sanieren, an den zu erwartenden Kosten und dem zeitlichen Aufwand gescheitert war, haben die Christdemokraten immer wieder neue Vorschläge für eine Nachnutzung ins Gespräch gebracht: eine (von den benachbarten Schulen dringend benötigte) Sporthalle etwa, eine neue Eissporthalle für die „Crocodiles“ oder eine Aufforstung des Geländes.
Letzteres scheint von allen Ideen die unkomplizierteste und preisgünstigste zu sein, würde aber mehr als eine reine Notlösung darstellen. Denn Hamburg verliert nachweislich immer mehr (Straßen-)Bäume. Hier muss dringend ein Ausgleich geschaffen werden. Ein „Farmsener Wald“ würde zudem einen kleinen, aber vorzeigbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Und ihn wachsen zu sehen, kann wirklich eine spannende Sache sein. Nachfolgende Generationen werden uns dafür danken.

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