16. September 2022
Rotherbaum

Synagoge wird wieder aufgebaut

Machbarkeitsstudie und Masterplan

Ein sehr moderner Synagogenentwurf, der „gerade noch die Anforderungen des Masterplans“ erfüllt Foto: Freie und Hansestadt Hamburg

ROTHERBAUM Die Bornplatzsynagoge wird in derselben Dimension und äußeren Gestaltung auf derselben Fläche wie die 1938 von den Nazis zerstörte Synagoge wiederaufgebaut.

Das ist das wichtigste Ergebnis der jetzt veröffentlichten Machbarkeitsstudie für das Bauprojekt, dass der Senat 2020 beschlossen hatte. Festgelegt wurden auch die Raumaufteilung der Synagoge und die künftige Anordnung der unmittelbaren Umgebung des jüdischen Gotteshauses. In der Synagoge werden neben dem zentralen Betsaal für 600 Personen – in der alte Synagoge fanden 1400 Personen Platz – auch eine Begegnungsstätte, ein großer Saal für Gemeindeaktiviäten und Ritualbäder untergebracht. Der zwischen Joseph-Carlebach- und Allendeplatz gelegene, von der Universität genutzte Bunker, wird abgerissen: „Die Verwirklichung eines Zentrums jüdischen Lebens wird nicht im Schatten des Bunkers entstehen“, heißt es. Er war von den Nazis nach der Zerstörung der Synagoge erbaut worden. Südlich der Synagoge, in Richtung Uni-Campus, soll teilweise auf der Grundfläche des Bunkers ein neues Gebäude für eine Synagoge der Liberalen jüdischen Gemeinde errichtet werden, in dem auch ein Jugendzentrum, Verwaltung und Wohnungen Platz finden werden. Auch ein weiteres von der Uni genutztes Gebäude hinter der Joseph-Carlebach-Schule wird ver-schwinden. Dort ist der Bau einer Kindertagesstätte vorgesehen.

Bodenmosaik soll erhalten bleiben

Das 1988 geschaffene Bodenmosaik von Margrit Kahl auf der Fläche der früheren Synagoge, das überbaut werden muss, soll erhalten bleiben. Noch ist unklar, wo und in welcher Form. Die Binderstraße wird für Fußgänger und Radler wieder bis zum Allendeplatz geführt – durch das Erdgeschoss des Unigebäudes, das die Binderstraße an dieser Stelle seit den 1960er Jahren querstehend abriegelt.

Diese Vorgaben sind nun Gegenstand eines Masterplans zum Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge. Die genaue Gestaltung der Synagoge und der Umgebung sowie die Präzisierung des Raumprogramms obliegen einem Architektenwettbewerb, dessen Ergebnisse Ende 2023 vorliegen sollen. Die Machbarkeitsstudie wurde durch eine Zuwendung des Bundes-innenministeriums finanziert. Der Senat und das Bezirksamt Eimsbüttel berieten und unterstützten die Jüdische Gemeinde und das Architektenbüro Wandel Lorch Götze Wach bei der Abfassung.

Alle Beteiligten äußerten sich sehr zufrieden und erfreut über Machbarkeitsstudie und Masterplan. „Die Bornplatzsynagoge war seit ihrer Errichtung immer, vor ihrer Zerstörung und Enteignung und gerade auch danach, das zentrale Bauwerk in den Herzen der Hamburger Juden. Die Studie zeigt die Rahmenbedingungen des Wiederaufbaus auf und dass jetzt die Zeit für den Wiederaufbau gekommen ist“, freute sich der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Hamburg, Philipp Stricharz.

Kritik wird geäußert

Kritik kommt vom Denkmalverein, der das Bodenmosaik von Margrit Kahl gefährdet sieht und darauf verweist, dass der Bunker unter Denkmalschutz steht. Der Verein mahnt: „Die Erhaltung, Veränderung oder Aufgabe von Geschichtszeugnissen muss stets Gegenstand intensiver Abwägungsprozesse unterschiedlicher, ggfs. widerstreitender öffentlicher Interessen sein. Es wäre wünschenswert, diesen Prozess nicht als abgeschlossen zu betrachten, die Diskussion weiterzuführen und im nachfolgenden Architektenwettbewerb auch Varianten zuzulassen, die einen Erhalt wenigstens eines Teils der Geschichtszeugnisse ermöglichen.“

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