13. März 2021
Ausgabe Eppendorf

Kontroverse um Synagogenbau nimmt zu

Wissenschaftler kontra Jüdische Gemeinde. „Als selbstbewusstes Zeichen wieder errichten“

Eine Kompromisslösung liefert Architekt Axel Spellenberg: eine Synagoge um das Mosaik von Margrit Kahl herumgebaut
Zeichnung: Spellenberg

ROTHERBAUM. Die Kontroverse um den Bau einer Synagoge am früheren Bornplatz, auf dem heutigen Joseph-Carlebach-Platz, bekommt immer mehr Nahrung.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hamburg, die sich sehr deutlich gegen einen Wiederaufbau der 1938/39 von den Nationalsozialisten zerstörten Synagoge ausgesprochen hatten, weil dadurch die Zerstörung ungeschehen gemacht würde, erhielten kürzlich Unterstützung von 45 Akademikern aus Israel, die sich ganz gegen den Bau einer Synagoge an deren früherem Ort aussprechen, um das seit 1988 dort befindliche Bodenmosaik von Margrit Kahl zu erhalten, das an die Zerstörung der Synagoge erinnert.

Diese Kritik am Synagogenbau fordert nun die Befürworter heraus, allen voran die Jüdische Gemeinde. Eine Mehrheit wünscht sich offenbar den Wiederaufbau der 1906 errichteten alten und 1938/39   zerstörten Synagoge. Philipp Strichartz, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, wird aber nicht müde zu betonen, dass allenfalls die Fassade eines Neubaus an das alte Gebäude erinnern würde. Geplant ist ein Begegnungszentrum mit viel kleinerem Synagogenraum als in dem alten Gotteshaus, mit Restaurant und Café, in dem die Erinnerung an die Zerstörung ihren Platz haben wird. Diesen Plan begrüßt auch der Verein „Vom Holocaust zum neuen Leben“, in dem sich Geschädigte der Nazi-Gewaltherrschaft zusammengefunden haben. „Der Bau der Bornplatzsynagoge ist ein großer Schritt in genau die – richtige – Richtung. Sichtbares Judentum, nicht nur ein Gotteshaus, sondern eine Begegnungsstätte“, findet der Verein.

Der frühere Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Ruben Herzberg, hat sich schon vor über zehn Jahren für einen Synagogen-Neubau am alten Ort ausgesprochen. Er hat sich zwar nie für einen originalgetreuen Wiederaufbau der Synagoge eingesetzt, findet aber: „Wenn die heutigen Juden Hamburgs sich für eine Rekonstruktion entscheiden sollten, ist das ihr gutes Recht.“ Das Bodenmosaik ließe sich, seiner Ansicht nach, „fantasievoll in den Neubau integrieren“.

„Denkmalschützerische Überlegungen“ dürften aber keinen Vorrang haben vor „dem Schutz des sich neu regenden jüdischen Lebens in Hamburg und seiner Rückkehr an den alten Ort im Grindelviertel“, so Herzberg. Deutliche Worte für einen Wiederaufbau der Synagoge findet nun auch Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland: „Es geht der Gemeinde darum, die Synagoge als selbstbewusstes Zeichen wieder zu errichten.“

Auch interessant