17. Juli 2021
Gross Borstel

Reden und singen gegen das Vergessen

Esther Bejarano: In Erinnerung als große Kämpferin

Esther Bejarano mit Rolf Becker beim Tag der verbrannten Bücher 2015 am Kaifu-Ufer Foto: Auschwitz-Komitee

Esther Bejarano mit Rolf Becker beim Tag der verbrannten Bücher 2015 am Kaifu-Ufer Foto: Auschwitz-Komitee

GROß BORSTEL Streitbar war Esther Bejarano (96) bis zuletzt: Die Zeitzeugin konnte Jugendliche aufrütteln. Sie blieb aktiv im Auschwitz-Komitee sowie bei Auftritten als Sängerin und Rednerin. Auch mit ihren Büchern erregte sie Aufsehen. Sie kämpfte im „zweiten Leben nach dem Überleben gegen das Vergessen.“
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„Mir lebn ejbig“ (Wir leben trotzdem): Mit dem Anfang eines jiddischen Lieds überschreiben Auschwitz-Komitee und Familie die Nachricht von ihrem Tod am 10. Juli. Familie und Freunde gedachten ihrer mit Blumen, Kerzen und Botschaften am Platz der Bücherverbrennung.
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Bei seinem 80. Geburtstag 2015 im Schauspielhaus habe Esther ihn zum ersten Mal öffentlich angesprochen als „mein kleiner Bruder“, erinnert sich Schauspieler Rolf Becker. „Und das bin und bleibe ich, so wie sie meine große Schwester: Esther Bejarano, mit der mich Freundschaft, Liebe und politisches Zusammengehen verbunden hat und mich auf meiner verbleibenden Wegstrecke begleiten wird“, so Becker.
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Bestattet wird Esther, geb. Loewy, auf dem Jüdischen Friedhof Ohlsdorf neben ihrem Mann Nissim Bejarano, den sie 1950 in Israel heiratete. Er war dort als Kriegsgegner ungelitten, emigrierte mit ihr, den Kindern Edna und Joram 1960 nach Deutschland, wo er 1999 starb. Die Familie war in Hamburg zu Hause, ab 1984 in Groß Borstel. „Auch als sie prominent war, blieb sie bei uns im Dorf aktiv.“ Nachbarn erinnern an Auftritte im Stavenhagenhaus oder zu Mahnwachen gegen rechte Umtriebe. „Esther stritt dafür, den 8. Mai als Tag der Befreiung zu feiern. Das sollten alle bedenken, die sich nun so laut für ihre posthume Ehrung einsetzen“, sagt Freundin Barbara Nitruch.
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Ihre ergreifende Rede auf dem Gänsemarkt bleibt ihr Vermächtnis: „Der 8. Mai muss ein Feiertag werden!“ Zu hören und zu lesen auf: www.auschwitz-komitee.de

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