29. April 2022
Eppendorf

Kulturhaus-Macher geht in Ruhestand

Nach 35 Jahren tritt Klaus Kolb ab

Nach 35 Jahren Geschäftsführung: Klaus Kolb geht in den Ruhestand Foto: ch

EPPENDORF Klaus Kolb geht in den Ruhestand, beendet seine berufliche Laufbahn, die für ihn wirklich eine Berufung war. Kolb gründete mit anderen 1987 das Kulturhaus Eppendorf, war 35 Jahre lang Geschäftsführer der heutigen Kunstklinik Eppendorf, deren Umzug in den Neubau hinter der erhaltenen Fassade des früheren Krankenhauses Bethanien er maßgeblich auf den Weg brachte.

Kolb hat Kulturhaus und Kunstklinik wesentlich zu dem gemacht, was sie sind: ein lebendiger Treff im Stadtteil mit Kulturveranstaltungen und Möglichkeiten, selbst kreativ tätig zu werden. „Ich bin dafür da, dass Andere aktiv werden können“, fasst er sein Wirken für die Stadtteilkultur knapp zusammen.
Das hat ihn früh fasziniert, als Teenager in Altenkirchen im Westerwald, einem beschaulichen Städtchen mit Fachwerkhäusern in hügeliger Landschaft, in dem Kolb aufwuchs. „Wir fanden das stinklangweilig“, erzählt Kolb, der deshalb mit Gleichaltrigen ein Jugendzentrum gründen und Rockkonzerte nach Altenkirchen holen wollte. Da merkte Kolb zum ersten Mal, dass man mit Einsatz und Engagement viel möglich machen kann.

Zufälle halfen dann, dass Kolb Mr. Kulturhaus wurde. Der Verein „Bürgerhaus für Eppendorf“, der sich vergeblich um ein solches bemüht hatte, und in den Kolb mit sieben Mitbewohnern eintrat, ermöglichte ihm ABM-Stellen für einen „Kulturladen Eppendorf“ zu beantragen, der provisorisch in ein leer stehendes Ladengeschäft in der Erikastraße einzog. Schließlich eröffnete die frühere Eppendorfer Polizeiwache Martinistraße 40 endlich eine dauerhafte räumliche Perspektive. Mit viel Einsatz und Beharrlichkeit sowie Unterstützung durch das Wochenblatt gelang Kolb und seinen Mitstreiterinnen schließlich die Etablierung des Kulturhauses Eppendorf in der früheren Polizeiwache in freier Trägerschaft.

Kolb, „zahlenaffin“, übernahm die Geschäftsführung, weil die sonst niemand übernehmen wollte. „So bin ich in die Finanzen reingekommen“, erzählt Kolb, der sich aber auch um vieles andere kümmerte. „Ideen springen mich so an“, erläutert Kolb, warum er so viele Impulse für die Eppendorfer Stadtteileinrichtung gegeben hat. Dabei blieb er „Primus inter pares“ mit nur einer Stimme in dem Trägerverein. Kann sich Klaus Kolb nun einfach von diesem Lebenswerk zurückziehen, es anderen überlassen und selbst nicht mehr eingreifen? „Ich kann loslassen“, beteuert der Kulturhaus-Macher, der die Nachfolge in dem neuen Trägerverein Eppendorfer Soziokultur zu seiner Zufriedenheit geregelt hat. Zwei Monate lang wird er die Nachfolger noch als Minijobber einarbeiten.

Ab 1. Juli ist dann richtig Schluss. Dann hat er endlich mehr Zeit, um Kino und Theater zu genießen und zum Klavierspielenlernen – Musik interessierte ihn eben immer am meisten.

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