22. Juli 2022
Eppendorf

Auf drei Rädern raus aus dem Alltag

Rikscha-Projekt beschert Senioren Lebensqualität. Unterstützer gesucht

Die Fahrstunde: Tobias Claus sitzt am Steuer, Pastor Veit Buttler ist der Fahrlehrer – und lässt sich fahren Foto: Chateaubourg

EPPENDORF Neue Ecken entdecken oder auf alten Pfaden radeln: Für die Bewohner/-innen von vier Senioren-Einrichtungen in Eppendorf (Anscharhöhe Eppendorf, Agaplesion Bethanien-Höfe und Elim Seniorenzentrum Eppendorf) ist dies dank einer E-Rikscha möglich.

„Die Erfahrungen für die mobil eingeschränkten Fahrgäste sind immer wieder etwas Besonderes“, erzählt Fahrer Tobias Claus. Der Eppendorfer ist selbst gern mit dem Fahrrad unterwegs: „Meine Großeltern waren auch in Pflegeeinrichtungen und ich hatte dort selbst häufig erlebt, wie gering dort die Abwechslung im Alltag ist. Als ich die Anzeige für das Rikscha-Projekt sah, war ich sofort begeistert und sehe es als super Möglichkeit, meine Leidenschaft, mit dem Rad in Hamburg unterwegs zu sein, zu teilen, und so dem Alltag der Damen und Herren eine andere Facette hinzuzufügen“, beschreibt der ITler, der sonst bei Lufthansa für einen Bereich bei Data Analytics zuständig ist, seine Motivation.

Das Quartiersnetzwerk martini.erleben hat die E-Rikscha im vergangenen Jahr mit Hilfe von Spendengeldern angeschafft und organisiert auch die Fahrer/-innensuche. Nach der Bewerbung werden die Kandidaten begutachtet und dann in einer „Fahrstunde“ in das bequeme Gefährt eingewiesen. Tobias Claus erinnert sich noch gut an seine erste Fahrt: „Die Dame war sehr nervös, da sie nicht 100-prozentig einschätzen konnte, was auf sie zukommt, wurde aber im Laufe der Fahrt im lockerer bis sie sogar entspannt und freudig vor sich hin summte und sang. Sie fand es wohl sehr gut und meinte auch mehrmals: ‚Das ich das in meinem Leben noch erleben dar‘“, erzählt der 38-Jährige.

Auf rund 250 Fahrten wurden im vergangenen Jahr über 2500 Kilometer mit der E-Rikscha gefahren. Der Erfolg gibt dem Projekt Recht: Jetzt soll eine zweite „Mitfahrgelegenheit“ angeschafft werden. Wer das Projekt mit einer Spende unterstützen will, findet weitere Informationen und das Spendenkonto auf der Webseite: www.martinierleben.de/rikscha/

„Radeln ohne Alter“ heißt das Projekt, das das Quartiersnetzwerk martini.erleben mit finanzieller Unterstützung der Aktion Mensch, vom Bezirk Hamburg-Nord und mit weiteren Spenden in Kooperation mit der Stiftung Anscharhöhe ermöglicht.

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