11. Juni 2022
Steilshoop

Von Dichtungen und Pinsel-Sanierung

Neuer EKZ-Geschäftsführer verspricht stabile Mieten

Das sogenannte Ärztehaus gegenüber dem Einkaufszentrum Steilshoop ist ein besonders dringender Sanierungsfall Foto: tel

STEILSHOOP „Wir wollen die Mieten nicht erhöhen. Das Mietniveau ist vernünftig. Und wir wollen auch nicht in Eigentumswohnungen umwandeln“ sagt Mike Hemmerich (44), der neue Geschäftsführer des Einkaufszentrums Steilshoop mit seinen 220 Wohnungen und dem benachbarten Ärztehaus im Gespräch mit dem Wochenblatt.

Hemmerich vertritt die HJD Verwaltungs GmbH & Co. KG, eine mittelständische Investorengemeinschaft aus Schleswig-Holstein, die sich mit Wohnungsneubau und Sanierung beschäftigt. Als Beispiel nennt Hemmerich den Petersen Park (Groß-Borstel), wo gerade 400 Neubauwohnungen entstehen: „Wir machen Quartiersplanung, Sanierung, Umbau“, sagt Hemmerich und berichtet, wie der Steilshooper Immobiliendeal zustande kam: „Frau Heiberg hat die Immobilie im vergangenen Sommer von Herrn Johansen gekauft, und zwar nach dänischem Recht, aber das gilt nicht in Deutschland.

Deshalb musste sie den Kauf nach deutschem Recht nachholen. Nun stellte sie aber fest, dass sie Kapital brauchte. Früher konnte man in Dänemark deutsche Immobilien kaufen und erhielt 50 % des Kaufpreises von der Steuer zurück erstattet. So hat einst Henrik Nygaard Johansen (79) das EKZ Steilshoop erworben. Aber diese Art der Subvention existiert nicht mehr, also brauchte Frau Heiberg einen Investor und fragte bei uns an.“ Der Kaufvertrag wurde am 6. November 2021 unterschrieben. Hemmerich ist Geschäftsführer und Miteigentümer, sein Unternehmen hält „18,5 Prozent gemäß Handelsregister, und Frau Heiberg noch drei Prozent.“

„Was wir hier vorgefunden haben ist ein riesiger Sanierungsstau. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Etwa 20 bis 40 Jahre lang wurde hier nur Geld herausgezogen, aber nichts investiert. Allein die Abwasserrohre sind ein schlimmer Sanierungsfall: Das sind Eternitrohre mit Gummidichtungen. Die werden irgendwann porös. Das geschieht hier gerade gefühlt überall gleichzeitig und verursacht immer wieder Wasserschäden“, berichtet Hemmerich.

Bekleidung findet im Internet statt

Das gelte sowohl für das Einkaufszentrum wie auch die Wohnungen über dem EKZ und im Ärztehaus: „Wenn ein Mieter ausgezogen ist, hat man drüber gestrichen, und das war‘s – eine Pinselsanierung.“ Inzwischen werden frei werdende Wohnungen nicht mehr vermietet, damit man innerhalb des Hauses mit der Sanierung der einzelnen Stränge – möglichst ab September – starten kann.

„Die Kernsanierung umfasst die Abwasserrohre, aber auch Wasser- und Stromleitungen, die Fußböden – komplett.“ Dazu müssen Mieter innerhalb des Komplexes umziehen. Gleiches gelte auch für die Praxen und Gewerberäume im zehnstöckigen Ärztehaus, in dem es ja auch dreieinhalb Etagen mit Wohnungen gibt. Durch die Ausweisung des Sanierungsgebietes, das neben EKZ und Ärztehaus auch die unter Denkmalschutz stehende Evangelische Kirche („Blaue Kachel“) umfasst, ergibt sich eine enge Zusammenarbeit mit der Bezirksverwaltung: „Einmal im Monat findet ein Workshop statt, wo auch über die geplante Bürgerbeteiligung gesprochen wird.“ Das Sanierungskonzept soll den Steilshoopern nach den Sommerferien vorgestellt werden.

Nur so viel sei schon verraten: „Es geht vor allem um eine drastische Reduzierung der Mietnebenkosten. Die liegen hier zur Zeit um rund 50 Prozent über dem Normalen.“ Und: „Die Hamburger Energiewerke bauen gerade ein ökologisches Fernwärmenetz auf. Wir sind die Ersten, die dort angeschlossen werden sollen und bekommen dann eine hundertprozentig nachhaltige Wärmeversorgung.“ Was die Zukunft des Einkaufszentrums nach der Grundsanierung betrifft, erklärt Hemmerich: „Hier gab es haufenweise Flächen für Bekleidung. Aber das findet heutzutage im Internet statt.

Steilshoop braucht ein Nahversorgungszentrum mit Gütern des täglichen Bedarfs. Ich könnte mir vorstellen, dass beispielsweise ein Rewe oder Edeka hier wieder einzieht.“ Bis es so weit ist, können aber noch gut zwei bis vier Jahre vergehen.

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