22. Mai 2021
Bramfeld

U-Bahnbau bedroht Übungsplatz

Steilshooper kämpfen um ihre selbst verwaltete Freizeitfläche

Fernando (49, rechts) und Mario (40): „Bei diesem Wetter ist der Platz perfekt. Aber wo sollen wir in Zukunft spielen?“ Foto: Hertel

STEILSHOOP „Wenn der Platz wegkommt – das wäre Sch…“. Philipp (41) aus Barmbek drückt sich drastisch aus. Vom geplanten U-Bahnbau hat er
zwar schon gehört. Aber dass der sogenannte Verkehrsübungsplatz (dort nehmen Polizeibeamte Fahrradprüfungen ab) an der Gründgensstraße der U5 als Materiallager zum Opfer fallen soll, wusste er bislang nicht.

„Ich fahre extra aus Winterhude hier her.“ Basketball-Mitspieler Michael (41) aus Barmbek wusste vom U-Bahnbau noch nichts. „Wir sind hier seit Jahren. Es gibt zwar auch andere Plätze, aber dieser ist der Beste.“ Er lobt vor allem den weichen Kunststoffboden. Und gegen eine geringe Gebühr kann man sogar Flutlicht einschalten. Sonntagvormittag, das ist ihre Zeit: „Nachmittags sind viele Familien hier. Da wird Skateboard oder Roller gefahren, es gibt zwei Tore zum Kicken und eine Wiese zum „Abhängen“.“

„Jetzt“-Geschäftsführer Martin Kersting, Nachbar des Platzes, alarmierte den Regionalausschuss: „Hier wird eine wertvolle Freizeitfläche dem Stadtteil entzogen. Vor sieben Jahren haben Jugendliche den selbstbestimmt verwalteten Platz mit sehr viel Eigeninitiative mitgestaltet.“ Und Petra Lafferentz, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Alraune eGmbH (betreibt unter anderem den Kulturtreff „Jetzt“, die Campus-Gastronomie, die Produktionsschule und das Tierhaus) fasst zusammen: „Drei Dinge müssen dringend geklärt werden: Erstens wollen wir wissen, wohin die Benutzer des Platzes ausweichen können. Zweitens muss die Finanzierung des Ausweichquartiers geklärt sein und drittens auch die Frage, ob der Platz nach Ende der Bauarbeiten wieder hergerichtet wird und wer den Rückbau bezahlt.“

Ähnlich sieht es die CDU – der Bezirksabgeordnete Philipp Hentschel: „Bevor man den Platz abräumt, muss erst das Ausweichquartier geklärt werden.“ Dagegen sprachen sich SPD und Grüne für eine Vertagung aus – Carsten Heeder (SPD): „Die Hochbahn hat versprochen, den Platz erst zu übernehmen, wenn die Ausweichmöglichkeit steht. Deshalb sollten zunächst die offenen Fragen geklärt werden, bevor man etwas beschließt.“ Am Ende setzte die Mehrheit einen Prüfauftrag der Verwaltung in Sachen Ausweichquartier und Rückverlagerung durch. Das Thema dürfte damit jedoch noch längst nicht abgeschlossen sein.

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