10. September 2022
Bramfeld

Training, das Leben retten kann

ADAC-Verkehrswelt am Brahms-Gymnasium

Elternrat Martin Schliemann (v.l.), Schulleiter Christoph Preidt, ADAC-Teamleiter Jörn Trittin und Pauline Habermann bei der Aktion

BRAMFELD Da staunte Leni (14) nicht schlecht: Sie saß als „Lkw-Fahrerin“ in der Attrappe eines Lasters und sollte melden, wenn sie einen ihrer Klassenkameraden in den Rückspiegeln ausmachen konnte. Sie sah keinen, fuhr an und überrollte gleich zwei Mitschüler.

Natürlich nicht wirklich, denn es handelte sich lediglich um eine unblutige Demonstration der ADAC-Verkehrswelt, die fünf Tage lang auf dem Schulhof des Bramfelder Johannes-Brahms-Gymnasiums gastierte und in dieser Zeit rund 500 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums und der benachbarten Stadtteilschule durch ihre interaktive und realitätsnahe Verkehrserziehung schleuste.
„Das nennt man Toten Winkel“, erklärte Coach Nora Röver einer verdatterten Leni und den „Überfahrenen“: „Da hat der Lkw-Fahrer dann auch keine Chance, etwas zu sehen.“

Mit großem Aufwand – einer ganzen Zeltstadt und einem Team von fünf Personen – widmete sich die Stiftung des Automobilclubs auf Anregung des Elternrats und Einladung der Schulleitung der Verkehrserziehung in Bramfeld. Auch Schüler der benachbarten Stadtteilschule durften mitmachen.

Ein weiteres Verkehrsexperiment mit Aha-Effekt: Die Schüler erhielten Virtual-Reality-Brillen aufgesetzt, mit denen das Sichtfeld und die Eindrücke von alkoholisierten Personen simuliert wurde. Die „betrunkenen“ Schüler mussten sich dann Bälle zuwerfen, was natürlich nicht sehr zielgenau klappte. Als Nächstes bestiegen die Gymnasiasten Attrappen von Motorrollern und mussten eine Video simulierte Strecke mit zunehmender Geschwindigkeit befahren: Plötzlich stand ein Kind auf der Straße, und die Fahrer mussten eine Vollbremsung hinkriegen. Bei einem weiteren Versuch ging es um ein Reaktionszeit-Experiment inklusive Ablenkung durch ein Handy und laut rufende Mitschüler.

Damit wurde eindrucksvoll demonstriert, wie gefährlich Ablenkungen am Steuer sind. Am Ende des Parcours waren die meisten Schüler sehr zufrieden, vor allem aber auch schlauer. Michel (14): „Gut war die Fahrt auf dem Motorroller mit bis zu 80 km/h und erschreckend langem Bremsweg.“

Zufrieden war aber auch das Verkehrswelt-Team. „Fakt ist doch, dass Jugendliche wenig Lebenserfahrung haben, dafür aber eine hohe Risikobereitschaft. Da kann das richtige Verhalten im Straßenverkehr überlebenswichtig sein“, so Teamleiter Jörn Trittin. Frederick (14) sah es nüchterner: „Das war auf jeden Fall besser als Deutsch.“

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