3. Juni 2020
Bramfeld

Ein Stück Geschichte verschwindet

Blumen Konwert schließt nach 65 Jahren an der Bramfelder Chaussee

Otto und Emmi Konwert und Tochter Bärbel (von rechts) mit zwei damaligen Mitarbeiterinnen Fotos: privat

BRAMFELD Floristen sind im Grunde Künstler, denn bei diesem Beruf ist vor allem Farbsicherheit, Kreativität und die Kunst des guten Geschmacks gefragt. Das traditionelle Familienunternehmen Konwert an der Bramfelder Chaussee kannte sich mit der Kunst des Blumenbindens aus und war bei seinen Kunden über Jahrzehnte hinweg die Nummer eins unter den Läden in Hamburg.

„Jetzt müssen wir uns leider von der langen Familientradition verabschieden“, bedauerte Heike Konwert, denn nach 65 Jahren muss der Laden schließen. Einen Nachfolger gibt es nicht mehr, und auch die derzeitigen Besitzer machen jetzt dicht. „Bei unseren Kunden möchten wir uns noch einmal für die tolle Zeit bedanken, denn es waren wunderschöne Jahre hier in Bramfeld“, meint auch Norbert Konwert, der in die Blumenfamilie seiner Frau hineingeheiratet hatte.

Bereits 1955 hatten deren Eltern Emmi und Otto das Geschäft für Floristik eröffnet, das Heike und Norbert 1995 übernahmen und knapp 20 Jahre lang weiterführten. Außer Trauer- und Eventfloristik, Gestecke für Hochzeiten und die ersten Blüten für die Balkonkästen, gab es bei Konwert immer auch herrlich gebundene Sträuße zu jedem Anlass. 2006 verkauften die beiden den Laden, Heike Konwert blieb allerdings als Geschäftsführerin dem Team erhalten.

Der Abschied jetzt fällt den beiden nicht leicht, denn es hängen unendliche viele Erinnerungen an dem Geschäft, in dem Heike Konwert zusammen mit ihrer 17 Jahre älteren Schwester Bärbel viele Stunden verbrachte. Während Bärbel Konwert sich nach zwei Jahren im Unternehmen ihrer Eltern selbstständig machte, blieb Heike Konwert nach einem Praktikum im Institut für angewandte Botanik und einer Ausbildung zur Floristin in Winterhude, im Familiengeschäft und konnte auf die Hilfe ihrer Eltern auch noch zählen, als die schon weit über 80 Jahre alt waren: „Mein Vater fuhr noch jeden Morgen zum Großmarkt, meine Mutter half beim Binden ihrer beliebten Biedermeiersträuße.“ Heike Konwert hatte im Beruf der Floristin ihren absoluten Traumjob gefunden. „Den ganzen Tag im Büro herumsitzen, hätte ich mir nie vorstellen können.“ Ihr Mann Norbert unterstützte sie mit der Buchhaltung. Viel Zeit des Familienlebens hat „einfach rund um die Uhr im Laden stattgefunden“, sagt Heike Konwert, die keine Minute dieser Jahre missen möchte.

Mit der Schließung geht auch ein Stück Geschichte an der Bramfelder Chaussee zu Ende, und wieder weicht ein persönlich geführter Laden größeren Ketten. Vergessen wird das Geschäft so schnell aber keiner der Kunden, denn „hier fühlte man sich zu Hause“.

 

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