16. September 2020
Bramfeld

Der Kampf hat jetzt gerade erst begonnen

Demo vor Otto-Zentrale gegen Retouren-Schließung

Überwiegend Frauen protestieren nach langjähriger Beschäftigung Foto: Haas

BRAMFELD Zur Protest-Demo kamen unter Corona-Auflagen 200 Beschäftigte mit Mundschutz in der Mittagspause vor die Konzernzentrale in der Werner-Otto-Straße. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Arbeit klaut!“ riefen sie am Montag mit Trommeln, unterstützt von der Gewerkschaft Ver.di.

Im Herbst 2021 soll – wie bereits berichtet – der Retourenbetrieb der Otto-Tochter Hermes Fulfilment (HF) in Bramfeld schließen: Die Arbeit werde verlegt an zwei bereits bestehende Standorte in Polen und in der Tschechei.
Betroffen sind 840 langjährig Beschäftigte in Bramfeld, darunter viele Frauen in Teilzeit. So etwa Sylvia Jahn: „Ich bin schlicht sauer.“ Sie arbeitet seit 1982 bei Otto Group, seit 14 Jahren an Retouren bei HF: „Dafür haben wir immer wieder Abstriche bei Lohnforderungen hingenommen.“

Auch Dirk Schmidt vom HF-Betriebsrat, Jan Koltze, für die SPD in der Bürgerschaft, sowie Gudrun Nolte, Leiterin des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt bekunden am Mikro ihre Solidarität. Sie unterstützen die Beschäftigten mit Heike Lattekamp von Ver.di: „Wir fordern die Zurücknahme des Otto-Beschlusses. Dies hier ist nicht der letzte Kampf. Wir werden wiederkommen.“ Unter den Beschäftigten seien Migrantinnen aus 69 Nationen, betonte Gudrun Nolte. „Ihr seid ein Vorbild für gelebte Integration, und das braucht unsere Stadt“, so Nolte.
„Wir nehmen diese Proteste sehr ernst. Aber leider lässt sich die Konkurrenz im internationalen Onlinegeschäft nicht wegprotestieren“, erklärt Thomas Voigt, Sprecher der Otto Group am Rande der Demo. Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Interessenausgleich und Sozialplan hätten bereits begonnen, um die Folgen der Schließung des Retourenbetriebs für die Beschäftigten abzumildern.

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