11. November 2022
Bramfeld

Bramfelds Stein des Anstoßes

Wohin mit dem Schleswig-Holstein-Denkmal?

Durch den U-Bahnbau plötzlich freigestellt: das verwitterte Schleswig-Holstein-Denkmal mit Bronze-Adler Foto: tel

BRAMFELD Eine hitzige Debatte hat sich in der jüngsten Sitzung der Bramfelder Stadtteilkonferenz um die Zukunft des sogenannten Schleswig-Holstein-Denkmals auf dem Dorfplatz entzündet. Der Grund: Für den Findling neben der Friedenseiche, die kürzlich dem U-Bahnbau weichen musste, wird eine Zwischenlagerung gesucht.

Bislang war das unter Denkmalschutz stehende Ensemble, das an die Holsteinische Erhebung von 1848 erinnern soll, zwischen rund einem Dutzend Bäumen kaum aufgefallen. Nach dem Freischneiden für die U-Bahnbaustelle kam der Findling mit Bronzeadler darauf erst richtig zur Geltung. Das Denkmalschutzamt schlug vor, den Stein schräg gegenüber vor dem „Försterhaus“ an der Bramfelder Chaussee aufzustellen. Die Alternative wäre eine Lagerung auf einem Bauhof des Bezirksamtes. Gudrun Wohlrab, Leiterin des Bramfelder Stadtteilarchivs, freute sich über den Vorschlag: „Dann bleibt der Stein in Sichtweite seines ursprünglichen Aufstellortes.“

Doch Wohlrab hatte die Rechnung ohne den Vorstand des Hauptmieters, des Stadtteilkulturzentrums Brakula gemacht. Das fünfköpfige Gremium beschied nach tagelanger hitziger Diskussion mit Mehrheit: Der Stein kommt nicht vor das „Försterhaus“. „Der Vorstand findet, dass der Gedenkstein für den Übergang der Bauzeit auf öffentlichem Grund besser aufgehoben ist als auf dem Gelände der Kulturinsel. Der Stein sollte außerdem an einem prominenteren Ort als auf dem Gelände des Brakula aufgestellt werden, damit die inhaltliche Auseinandersetzung der breiten Bevölkerung möglich ist“, heißt es in einer vom Wochenblatt geforderten Stellungnahme. Die Entscheidung des Brakula-Vorstands ließ die Wellen in der Stadtteilkonferenz hoch schlagen.

Hoch her ging es in der jüngsten Sitzung der Stadtteilkonferenz: Es ging um die Frage, wo das Schleswig-Holstein-Denkmal während der U5-Bauphase gelagert werden soll – und ob überhaupt. Eine Kritikerin des Denkmals bezeichnete den preußischen Bronze-Adler auf dem Gedenkstein gar als „Kriegsvogel“ – das Denkmal sei kriegsverherrlichend und gehöre entsorgt. Ulrike Bahnsen vom Vorstand des Kulturinsel e.V., versuchte die Wogen zu glätten: „Als Geschichtslehrerin finde ich es total wichtig, dass das Denkmal zu sehen ist.“ Nur so könne man sich auch damit auseinandersetzen.

Und Peter Lüth, Vorsitzender des bereits 1895 gegründeten Bramfelder Heimatvereins, der das schleswig-holsteinische Motto in seinem Namen trägt, assistierte: „Hier sind Leute am Werk, denen das historische Denkmal nicht ins Weltbild passt. Man sollte das Denkmal schon mit einer Erläuterungstafel versehen. Aber es gehört zur Geschichte Bramfelds und damit gut sichtbar ins Zentrum des Stadtteils.“ Die Stadtteilkonferenz beschloss am Ende, beim Bezirksamt Wandsbek nach geeigneten Standorten nachzufragen. Eine grundsätzliche Entscheidung ist damit allerdings nur vertagt, denn das Denkmal soll nach Fertigstellung der U-Bahn in den neu zu gestaltenden Dorfplatz integriert werden. Spätestens dann wird die Diskussion um den „Kriegsvogel“ wieder aufflammen.

Auch interessant