8. Mai 2021
Bramfeld

Bettelrufe von der Insel

Hamburgs größte Graureiher-Kolonie ist im Bramfelder See zu Hause

Hobby-Ornithologe Werner Völler beobachtet die Graureiher am Bramfelder See. Sie leben dort ganzjährig, ab März beziehen sie ihre Nester in den Baumkronen Foto: Busse

BRAMFELD Elegant gleitet der große Vogel über den See, zielgerichtet steuert er eine Baumkrone an. Werner Völler hat sein Fernrohr auf das meterhohe Gehölz gerichtet: „Zwei Junge kann man über dem Nestrand erkennen“, sagt er und weist auf die sogenannten Bettelrufe hin, mit denen die frisch geschlüpften Graureiher ihren Appetit bekunden.

Auf der kleinen Insel im Bramfelder See haben bis zu 30 Brutpaare ihr Zuhause. Vom Spazierweg aus sind die großen Nester in den noch unbelaubten Baumwipfeln gut zu erkennen. „Das ist die Vollbelegung, für mehr wäre hier kein Platz“, sagt Völler. Seit seiner Jugend interessiert er sich schon für Vogelbeobachtung, rund um den See bietet der Hobby-Ornithologe seit vielen Jahren Naturführungen an. Rund 30 Vogelarten könne man hier begegnen, weiß er.

Die Graureiher seien seit etwa 20 Jahren vor Ort. Inzwischen ist am Bramfelder See die größte Graureiher-Kolonie Hamburgs zu finden. Insgesamt 65 Paare an vier Standorten gibt es im Stadtgebiet. „Je mehr die landwirtschaftlich genutzten Flächen biologisch verarmen, desto mehr zieht es sie, wie einige andere Tierarten auch, in die Städte. Auf der Insel sind sie gut geschützt und in der Umgebung, wie dem Ohlsdorfer Friedhof, finden sie kleine Fische, Mäuse und weitere Nahrung“, erläutert Völler. Seit 2020 beteiligt er sich an einem Projekt, das seltene Brutvögel und Koloniebrüter in ganz Deutschland erfasst, um einen Überblick über die Vorkommen zu erhalten und Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Völler vergleicht anhand von Zeichnungen, die er im vergangenen Jahr von den Baumkronen angefertigt hat, welche Nester aktuell bewohnt wirken. „Alte Nester werden häufig wiederbesetzt – manchmal sogar von Stockenten“, weiß Völler.

Doch während der Reihernachwuchs bis zu drei Monate Zeit hat, im Nest an seine endgültige Größe von bis zu einem Meter heranzukommen, müssen die Entenküken als Nestflüchter schon kurz nach dem Schlüpfen einen steilen Abflug meistern, bevor es von der Insel aus direkt ins Wasser geht. Der Flugverkehr bei den Reihereltern ist bisher noch nicht besonders rege. „Vermutlich sind wegen des kalten Aprilwetters noch nicht so viele Junge geschlüpft“, vermutet Völler, der die Entwicklung weiter im Auge behalten wird.

Das Brutvogel-Monitoring des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten, einem Zusammenschluss aller ornithologischen Verbände in Deutschland, kann eingesehen werden unter https://www.ornitho.de/index.php?m_id=20104

Im Landeanflug aufs Nest:
Mit bis zu 1,5 Metern
Flügelspannweite ist das
Navigieren durch die Zweige
ein echtes Kunststück Foto: Busse

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