19. Juni 2021
Ausgabe Billstedt

Polizei räumt Wohnung einer Toten

Hinterbliebene entsetzt über den rohen Umgang der Beamten

Friedel K. steht nach Jahren der Pflege ihrer Schwester vor verschlossenen Türen. Sie wurde der Wohnung verwiesen Foto: privat

BILLSTEDT Wer einen geliebten Menschen verliert, fällt oft in tiefe Trauer und braucht besonders viel Beistand. Das wissen auch Maja und Friedel K., die ihre Schwester und Tante Ida beim Sterben in einer Wohnanlage für Senioren in Billstedt begleitet haben.

Als es der Betroffenen sichtlich schlechter ging und bereits der Notarzt den Sterbeprozess bestätigt hatte, blieben die Angehörigen mehrere Stunden auf Wunsch der alten Dame in deren Wohnung, denn „Ida wollte unbedingt zu Hause sterben“. Als dann die Polizisten eintrafen und die bereits Verstorbene abgeholt werden sollte, „wurden wir sehr unsanft von den Beamten aus der Wohnung verwiesen“, ärgert sich Friedel über den rohen Umgang und ist dabei den Tränen nahe.

Die Polizisten drückten ihr lediglich einen Flyer in die Hand, der über die wichtigsten Schritte informieren sollte und nahmen ihr dann die Wohnungsschlüssel ab, um angeblich „den Nachlass zu sichern“. „Wir fühlten uns in diesem Moment wie Verbrecher“, bedauern die pflegenden Angehörigen, die zuvor Stunden mit der Verstorbenen allein in deren Wohnung verbracht hatten. Friedel und Maja K. waren zudem im Besitz aller Vollmachten und „uns lag auch eine Patientenverfügung vor“.

Die beiden Damen sind deshalb entsetzt über das fehlende Einfühlungsvermögen der Beamten in einem Todesfall und fragen sich jetzt, ob „nicht ein wenig Zeit gewesen wäre, um die Lage in Ruhe zu besprechen“. Bei der Polizei nachgefragt heißt es, dass die Beamten des Polizeikommissariats 42 für erbrechtliche Ansprüche zunächst die Wohnungsschlüssel sichern müssen. Man habe der Schwester und Nichte auch „das Beileid ausgesprochen“. Die verärgerte Reaktion der Betroffenen wird von der Polizei mit „der Trauer über den Verlust der Tante“ begründet. Die Beamten seien „für jegliche Situationen, die ihnen in ihrem Polizeialltag begegnen könnten, geschult“.

Empathie spiele dabei eine wesentliche Rolle. „Die Beamten wissen, mit einem besonderen Fingerspitzengefühl vorzugehen und professionell zu kommunizieren“, behauptet Polizeisprecher Florian Abbenseth. Im Fall der Tante und ihrer Nichte aus Billstedt sei dieses Feingefühl „einfach nicht erkennbar gewesen“, so die Betroffenen.

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