16. September 2022
Mümmelmannsberg

Frischzellenkur für drei Kunstwerke

Eine Begegnung mit dem Künstler Knud Knabe

Das „Tor der Begegnung“ soll an die Vereinigung der beiden deutschen Staaten im Jahr 1990 erinnern Foto: Timm

MÜMMELMANNSBERG  Die fünf Jahrzehnte alt gewordene Siedlung Mümmelmannsberg ist ein Kunstort – auch, wenn es im ersten Moment nicht danach aussieht. Warum das so ist, zeigen der Künstler Knud Knabe und Anne Simon, die sich in der Nachbarschaft lebhaft für Kunst engagiert.

Kandinskyallee, an der Stadtteilschule. Sitzbänke an der Kreuzung: der alte Mann ruht sich aus, Jugendliche schlendern, aus der Schule kommend, vorbei. Fast wirkt die Ecke ein bisschen verschlafen, dabei gibt es hier durchaus etwas zu sehen.

Die Mümmelmannsbergerin Anne Simon kommt, Knud Knabe ist dabei und irgendwie auch der Maler Wassily Kandinsky (1866-1944), nachdem die Allee, die von Süden nach Norden durch das Viertel führt, benannt ist. „Sprechen vom Geheimen durch Geheimes“ – das steht oben am „Tor der Begegnung“, das die Reihe der drei Kunstwerke Knabes, die die Straße illustrieren, eröffnet. Das Zitat stammt von Kandinsky und ist auch auf Russisch in den Stahl geschnitten, aus dem das Tor aufgerichtet ist. Nun, gut drei Jahrzehnte nach der Errichtung, ist es, wie auch die anderen beiden Arbeiten Knabes, zu denen wir weitergehen, wieder hergerichtet worden. Der Künstler beschreibt das Tor als Reaktion auf die Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Wer es vergessen hat: Das war am 3. Oktober 1990. Offen ist noch, ob und wie das Tor nachts beleuchtet werden kann.

Aber es geht noch weiter, und Wassily Kandinsky ist auch hier dabei. Knud Knabes „Schwebende Pyramide“, sagt er, spielt mit den Farben und Symbolen des russischen Malers – Dreiecke und Bögen, frisch eingefärbt, sind kunstvoll ineinander verwoben und drapiert. Da meinte dann sogar jemand, das Werk durch einen vergessenen Einkaufswagen ergänzen zu müssen, was Künstler Knabe korrigiert und das Vehikel beiseite schafft.

Noch ein paar Schritte nach Norden: Dort hat der „Spiegelbrunnen“ seinen Platz gefunden. Stelen aus Kalksandstein gruppieren sich um einen Brunnen, der in einem Spiegel mündete – heute allerdings in Sand. Anne Simon erzählt unterwegs, dass es beharrlichen Engagements bedurfte, Knabes Arbeiten zu renovieren. Ob das Ergebnis für mehr Beachtung sorgen wird? Knabe jedenfalls, Jahrgang 1941, stammt aus Karlsbad. Der gelernte Schweißer und Schlosser studierte in Hamburg, 1971 erhielt er eine der wichtigsten Hamburger Auszeichnungen: den Edwin-Scharff-Preis. Übrigens: Anne Simon hat vor Jahren ein knapp 100 Seiten starkes Heft „Kunstwerke zum Greifen nah“ gemacht, das die Geschichten um rund 35 Kunstwerke die Mümmelmannsberg schmücken, erzählt. Demnächst soll sie im Internet sichtbar werden.

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