6. Mai 2020
Billstedt

Zu laut zum Schlafen

Anwohner beklagen Dauerlärm aus Industriegebiet

Die Anwohner sind genervt von einem „andauernden Brummton von Maschinen“ Fotos: Grell

OSTERBROOK Wenn es Abend wird und die Anwohner der Steinbeker Straße schlafen wollen, dann müssen sie Ohrenstöpsel benutzen oder die Fenster die ganze Nacht lang geschlossen lassen.

„Wir hören Tag und Nacht einen unangenehmen andauernden Brummton von Maschinen“, erklärt Maike Steenbock die aktuelle Lage und spricht damit für viele andere Nachbarn, die sich bereits im Kampf gegen den Lärm zusammengeschlossen haben. „Es ist hier mit Blick auf die Bille aber einfach zu schön, um wegzuziehen“, meint auch Marc Lüdtke, der bereits mit der Behörde für Umwelt und Energie im Kontakt steht, in der Hoffnung endlich dem Herd der Lärmbelästigung auf den Grund zu gehen.

Laut der Firma Albis Plastic, die hier im Fokus der Anwohner steht, habe es aber „keine eindeutige Zuordnung der beanstandeten Lärmemissionen zum Werksgelände der Albis gegeben“, so Lennart Meyer, Firmensprecher der GmbH. Bei daraufhin durchgeführten Messungen des Unternehmens habe es „keine Überschreitung der Grenzwerte der geltenden Lärmverordnung gegeben“.

„Unabhängige Messung“

Die Nachbarn aus der Steinbeker Straße können trotzdem nicht schlafen und haben eine unabhängige Messung veranlasst, in der es heißt, das Geräusch würde den Immissionsrichtwert deutlich überschreiten. „Bei Südwest-Wind ist es besonders schlimm, da bekommen wir kein Auge zu“, bedauert auch Sylke Petersen-List, die sich wie alle anderen in ihrem Haus an der Steinbeker Straße Nummer 4, absolut sicher ist, dass die beanstandete Geräuschkulisse von der Firma Albis stammt. „Der Lärm ist wirklich wahnsinnig belastend“, betonen die Bewohner und „unter der Woche können wir zeitweise sogar bei geschlossenem Fenster nur noch mit Ohrenstöpseln schlafen.“ Gerade in Corona-Zeiten, in denen viele im Homeoffice arbeiten, falle der Dauerbrummton nun auch am Tag besonders auf.

Die Firma Albis kann nach eigenen Angaben verstehen, dass die Anwohner den Lärmpegel wenn möglich vermindern möchten, beruft sich aber auf die bestehenden Messergebnisse und die große Distanz zum Wohngebiet auf der gegenüberliegenden Seite der Bille. „Es handelt sich hier um eines der größten Industriegebiete in Norddeutschland, und deshalb ist es aus unserer Sicht ausgeschlossen, dass wir die alleinigen Erzeuger des Geräuschpegels sind“, so Meyer. Unter die bereits längerfristig geplanten Modernisierungsmaßnahmen sollen aber auch einige Aggregate der Firma fallen.
Die Anwohner hoffen nun, dass dadurch vielleicht der Lärm beseitigt werden könnte. „Von den Aggregaten wurde allerdings schon vor Monaten gesprochen“, so der Stand der Anwohner der Steinbeker Straße – und bisher sei absolut nichts passiert.

 

Vom Balkon aus gibt es den freien Blick auf die andere Seite der Lärmquelle – direkt ins angrenzende Industriegebiet Foto: Grell

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