24. September 2022
Billstedt

Wie geht es weiter ohne Förderung?

Sorge um Sprach-Kitas – Petition gestartet

Nicht nur in der Kita Bauerberg ist Sprachförderung wichtig Foto: Timm

BILLSTEDT/BERLIN Beim Petitionsausschuss des Bundestags liegt eine Petition. Sie hat die Nummer 137016 und fast 8.000 Unterschriften. Die Sprach-Kitas, ein Bundesprogramm zur besonderen Sprachförderung in Kindertagesstätten, soll fortgeführt und verstetigt werden.

Worum geht es? Seit 2016 gab es vom Bund Geld, um in Kindertagesstätten die Sprachförderung zu intensivieren. Zusätzliche Fachkräfte nur für die Sprachförderung wurden eingestellt und haben sich intensiv gekümmert. In Billstedt gibt es viele Sprach-Kitas, es geht also um eine Menge, wenn diese Förderung Ende des Jahres auslaufen könnte.

Statt mit Kindern selbst sprechen wir mit Klaudia Wöhlk. Sie ist nicht nur Fraktions-Vize bei der SPD in der Bezirksversammlung, sondern hat viele Jahre selbst in Kindertagesstätten gearbeitet. „Das ist ein ziemlicher Eingriff“, sagt sie zum bevorstehenden Ende des Programms. Eigentlich, setzt sie hinzu, sollten die Sprachkitas nach 2022 evaluiert werden. Und die Expertin betont: Nicht nur Migrantenkinder hätten Probleme mit der Sprache, sondern auch kleine Menschen, deren Muttersprache Deutsch ist.

Aber Klaudia Wöhlk geht noch viel weiter: Es werde „nicht mehr viel gesprochen“. Sie hat beobachtet, dass Eltern telefonierten, während sie ihre Kinder in die Kita brachten. Sie würden früh ans Tablet und vor den Fernseher gesetzt. Das Thema Lesen kommt noch dazu: Da hätten selbst Eltern Schwierigkeiten.

Länder sind zuständig

Ihre Erfahrung ist, dass Kinder, die in der Sprachförderung waren, sich sehr schnell verbessert haben. Und gibt es noch mehr Themen, denen man sich annehmen müsste? Die Antwort kommt schnell: Bewegung. Das Gehirn entwickle sich besser. Das heißt: „Kinder lernen über alle Sinne.“ Und die Politik? Eine Sprecherin des Familienministeriums sagt auf Anfrage, das Programm mit zuletzt rund 200 Millionen Euro im Jahr sei am Anfang als befristetes ausgelegt worden: Die Zuständigkeit in Sachen frühkindlicher Bildung liege bei den Ländern. Es sei klar gewesen, dass das Sprachkita-Programm in die Verantwortung der Länder übergehen werde.

Seit kurzem ist ein Kita-Qualitätsgesetz auf dem Weg. Es soll für das nächste und übernächste Jahr je zwei Milliarden Euro bereitstellen, die Länder seien „angehalten“, damit „die sprachliche Bildung in den Kitas zu stärken. Und wird das auch klappen? Stefanie Lambernd aus der Sozialbehörde des Senats lässt wissen, Hamburg habe sich bereits im Mai für die Fortführung des Programms eingesetzt, man sei mit dem Bundesministerien „im Austausch“. Bisher wurde laut Sozialbehörde etwa jede vierte Hamburger Kita gefördert, es seien „336 zusätzliche halbe Fachkräftestellen Sprache“ geschaffen worden.

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