2. Oktober 2021
Billstedt

Kürzung kam ausgerechnet zum Geburtstag

Jugend Aktiv Plus: Billstedter Berater müssen mit weniger Geld auskommen

Janina Rennholz Foto: privat

Janina Rennholz Foto: privat

BILLSTEDT Ziemlich selbstbewusst hat das Hamburger Projekt Jugend Aktiv Plus kürzlich seinen zehnten Geburtstag gefeiert. Jährlich seien durchschnittlich 1500 Jugendliche beraten worden, wurde mitgeteilt. Doch die Bilanz fällt bei näherem Hinsehen dann doch gemischter aus. Janina Rennholz, die in der Jugendhilfe Kaltenbergen in einer Kombination mit Geldern aus einer anderen Quelle und Jugend Aktiv Plus junge Leute berät, zeichnet ein dramatisches Bild von ihrer Arbeit und spricht sogar von Kürzungen der Aktiv-Plus-Mittel, obwohl durch Corona der Bedarf gestiegen ist.

Sie und ihre Mitarbeiter unterstützen – je nach Projekt – junge Leute im Alter von 14 bis 27 Jahren. Die Zuwendung gilt jungen Menschen ohne Abschluss, ohne Ausbildung und in prekären Wohnverhältnissen. Die Pandemie habe zu „permanentem Stress“ geführt, schnell entstehe ein Teufelskreis.

Geholfen werden muss nicht nur bei Wohnen, Ausbildung und Arbeit, sondern auch beim Zugang zum Internet: Vier PC-Plätze wurden eingerichtet und ein Leihlaptop angeschafft. Jugendliche seien sonst gezwungen, mit ihrem Handy an öffentlichen Netzzugängen Bewerbungen oder ähnliches abzusetzen. Rennholz betont sehr deutlich, dass die „Menschen auch Ressourcen haben“. Sie gingen „trotzdem ihren Weg“; Mitleid helfe nicht.

Von Seiten der Lawaetz-Stiftung, die Jugend Aktiv Plus organisiert, werden die Kürzungen bestätigt. Die Begründung von Projektleiterin Sieglinde Ritz ist kompliziert: Weil Großbritannien aus der EU austrat, wurden die Gelder des Europäischen Sozialfonds (ESF), aus dem die Plus-Mittel kommen, reduziert. In Hamburg hat das dazu geführt, dass auf dem Stand von 2017 eingefroren wurde, „das ist für uns auch drastisch“. Im Winter sei dann, als Folge von Corona, ein großes, neues Programm aufgelegt worden und es gebe bereits eine Zusage, dass die gekürzten Gelder wieder aufgestockt würden, allerdings noch keinen Verwendungsnachweis. Das gilt bis Ende 2022, auch für Billstedt. Was dann kommt, scheint offen zu sein.

Kontakt zur Beratung: Jugendhilfe Kaltenbergen e.V., Morsumer Weg 6,
(und weitere Beratungsmöglichkeiten im Stadtteil),
Montag-Freitag 11–17 Uhr, nach Termin auch früher, T 401 130 23

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