4. September 2021
Billstedt

Ein Stück echter Industriegeschichte

Stellwerksgebäude des Billbrooker Bahnhofs

Das noch existierende Stellwerksgebäude des einstigen Bahnhofs Billbrook Foto: fbt

BILLBROOK Wer die Moorfleeter Straße entlangkommt, kann mit aufmerksamen Blick Reste eines alten Bahnhofs entdecken.

Ein Bahnhof? Hier, mitten im Industriegebiet? Genau: Von der Station Billbrook steht noch heute das Stellwerksgebäude. Auf der Website des Fördervereins Südstormarnsche Kreisbahn ist von einstigen Überlegungen die Rede, von Wandsbek bis Mölln eine Bahnstrecke zu bauen. In Billbrook fuhren sogar mal Personenzüge, und es war möglich, von Schiffbek mit der Bahn bis Tiefstack zu fahren. Heute muss man umsteigen und sich durch den Großstadtverkehr quälen.

Der Bahnhof Billbrook diente mehreren Bahnen. Die Hamburger Marschbahn führte von
Geesthacht nach Billbrook. Die „Billwärder Indusriebahn“ (BIB) fuhr von Billbrook nach Tiefstack. Und von Billbrook konnte man bis nach Trittau und Schwarzenbek kommen. Teile der einstigen Industriebahn werden heute von der Altonaer-Kaltenkirchener Eisenbahn (AKN) betrieben, die in Tiefstack auch eine Werkstatt für ihre Regionalzüge hat. Das Stellwerksgebäude in Billbrook wurde 1928 gebaut. Im Erdgeschoss gab es einen Spannwerksraum, im Obergeschoss den Stellraum; dort wurden die Weichen gestellt.

1907 ging’s los

Züge verkehrten erstmals 1907, ein Jahr nach der Inbetriebnahme des Hamburger Hauptbahnhofs. Ideen, die Südstormarnsche Kreisbahn stillzulegen, gab es schon 1934 – zwei Großprojekte der Nazizeit in Glinde verhinderten das aber.

Die AKN kam 1954. Es gab regen Güterverkehr, die AKN-Verwaltung arbeitete hier, Dieselloks wurden gewartet. Der einstige Bahnhof Billwärder, wie Billbrook ursprünglich hieß, war der Mittelpunkt der BIB, auch Personenzüge hielten. Bis 1976 blieb die AKN, dann gab es Lagerräume, zeitweise hatte die Billstedter Polizei hier ihren Sitz.

Aktuell kommen die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH), vor Jahrzehnten bereits einmal hier, wieder zurück, Busse stehen schon auf dem Gelände. Sprecherin Christina Sluga sagt, das historische Gebäude sei noch eine Baustelle.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz teilte schon im vergangenen Jahr mit, sie unterstütze die Sanierung des historischen Stellwerksgebäudes von Fritz Walter mit 50.000 Euro, die aus Spenden und Lotterieerträgen stammten. Das noch existierende Stellwerksgebäude des einstigen Bahnhofs Billbrook ist ein wichtiges Zeugnis der Verkehrs- und Industriegeschichte.

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