27. Mai 2020
Billstedt

Dorf, Brennpunkt, Heimat

Mümmelmannsberg wird 50: Streifzug durch Geschichte und Gegenwart

Gewaltig: Mümmelmannsberg aus der Luft Foto: to

MÜMMELMANNSBERG Der bevölkerungsreichste Stadtteil Billstedts wird am 30. September 50 Jahre alt. Grund genug, zu feiern: Doch noch ist nicht sicher, wann und wie, heißt es aus dem Bezirks-amt Mitte.

Schon ein kurzer Streifzug zeigt es: Mümmelmannsberg ist grün; und sogar mehr als andere Stadtteile in Hamburg. Zumindest äußerlich scheint in dem 18.000-Menschen-Viertel ein guter Kompromiss zwischen urbanem Leben und Naherholung gefunden zu sein. Im Südosten ist das Naturschutzgebiet Boberger Niederung (allerdings abgetrennt durch die stark befahrene B5), im Nordwesten die weitläufige Grünanlage rund um die Steinfurths Diek zu finden.

Im Moment wird mächtig gebaut: Wo einmal das alte Kaufhaus vor sich hin rottete, wird ein neues Zentrum gebaut und die Saga ist weiter dabei, ihre Hochhäuser auf den neuesten Stand zu bringen. Wer wegwill, kann die U-Bahn und diverse Buslinien nutzen, auch die Lübecker/Berliner Autobahn ist nah und es gibt zahllose Initiativen, die sich um einen lebhaften Stadtteil bemühen – vom Sanierungsbeirat über das evangelische Gemeindezentrum bis hin zu den Mümmelmannsberger Kulturtagen ist eine Menge los.

Sucht man nach den geschichtlichen Wurzeln Mümmelmannsbergs, lassen sich interessante Details zutage fördern: Dort, wo heute unterschiedlich hohe Häuser stehen, wuchsen lange Zeit Wälder, in denen vom 15. bis ins 19. Jahrhundert Schweine gemästet wurden. Wie von der Geschichtswerkstatt Billstedt zu erfahren ist, brachten Bauern die Tiere sogar aus Reinbek hierher. Begann der Herbst, wurde das Vieh an Ort und Stelle geschlachtet, gekocht oder gepökelt und weggeschafft. Mittelpunkt des damaligen Lebens sei die Kirchsteinbeker Kirche gewesen. Der Steinbeker Kirchenstieg sei ein Rest des ehemaligen Weges aus Reinbek.

Von Hermann Löns und den Hasen

Und dennoch: Der Name des Stadtteils spielt durchaus nicht mit dem Borstenvieh, sondern mit dem als possierlich geltenden Hasen. Die „taz“ berichtete vor Jahren, der Name leite sich von der gleichnamigen Erzählung des Schriftstellers Hermann Löns (1866–1914) ab; zudem seien zahlreiche Hasen hier auf Wiesen und Obstplantagen zu Hause gewesen, heute trägt eine der zentralen Straßen im Viertel diesen Namen.

Mümmelmannsberg wurde in zwei Bauabschnitten errichtet, wesentlich beteiligt ist die untergegangene Neue Heimat. Die baute von 1950 bis 1982 nicht nur in der „alten“ Bundesrepublik Wohnungen und Siedlungen, bis sie über einen Korruptionsskandal stolperte und abgewickelt wurde. Nebenbei: Im heutigen Mümmelmannsberg bauten außer der Neuen Heimat und Genossenschaften auch die Saga von 1970 bis 1983. Heute gibt es laut Saga hier 7300 Wohnungen, von denen das Unternehmen 4700 bewirtschaftet.

Das Stadtviertel ist seit 1991 Sanierungsgebiet. Seitdem seien laut Bezirk Mitte mehr als 50 Projekte realisiert worden. Zu den Leuchtturmvorhaben gehört das – inzwischen eröffnete – Mintarium in der Stadtteilschule, in dem es Technik und Wissenschaft zum Anfassen gibt. Dass die Kandinskyallee mal eine vierspurige Straße war, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.

Machen Sie mit!
Welche Erfahrungen haben Sie im und mit dem Stadtteil gemacht? Haben Sie historische Fotos, kennen Sie Geschichten?
Schreiben Sie uns eine E-Mail! Das Wochenblatt wird bis zum Geburtstag weitere Artikel über Mümmelmannsberg veröffentlichen.
Die Adresse lautet: redaktion-wbv@funkemedien.de, Stichwort: Mümmelmannsberg

 

 

Sanierungen: Diese Häuser in der Kleinen Holl sind ansehnlich geworden Foto: Timm

Auch interessant