8. April 2020
Billstedt

„Das Alleinsein nicht schönreden“

Mahnung und Trost in Zeiten von Corona

An der Außenfassade des evangelischen Gemeindezentrums Mümmelmannsberg­ ist ein Kreuz zu sehen Foto: fbt

BILLSTEDT/HORN Ostern ist das wichtigste Fest der christlichen Kirchen, das gewöhnlich in feierlichen Gottesdiensten gemeinsam gefeiert wird. Dieses Jahr muss man zuhause bleiben – und nun?

Pfarrer Felix Ewers von der Katholischen Pfarrei St. Paulus in Billstedt sagt: „Wir sollten bitte nicht klein- oder schönreden, welches Leid alleinstehende Menschen erfahren, wenn Ostern erstmalig ausfällt.“ Auch solche Verlusterfahrungen könnten krank machen, zumal sie einhergingen mit einem „Mangel an sozialer, körperlicher Zuwendung und leibhaftiger tröstender Nähe“. Ewers empfinde es als Sünde, die Menschen dermaßen im Stich zu lassen, trotz aller gut gemeinten Notlösungen: also Gottesdiensten und Andachten in Rundfunk, Fernsehen und Internet. Und er weist darauf hin, dass Ostern um 12 Uhr alle Kirchenglocken läuten werden und der Papst den Segen „Urbi et Orbi“ spricht.
Seine evangelische Kollegin Kirstin Faupel-Drevs ergänzt: „Selten ist mir persönlich der tiefe Sinn des Osterfestes und der davor liegenden Karwoche so bewusst geworden wie in diesem besonderen Jahr, das uns allen eine lange Zeit des Fastens abverlangt, nämlich den Verzicht auf das wichtigste ,Lebensmittel‘ überhaupt: die unmittelbare menschliche Nähe, außer allem anderen, was sonst noch fehlt.“ In der Woche vor Ostern bedenken Christen den Leidensweg Jesu, sie seien in Gedanken tief verbunden mit allen Menschen, bei denen dies bittere Realität ist: in den Krankenhäusern, in engen Wohnungen und Flüchtlingslagern: „Egal ob wir als Christenmenschen oder in anderen Religionen unterwegs sind, wir sind tief miteinander verbunden im Glauben an Gott.“

„Das erste Ostern war auch kein fröhliches Fest, erst nach und nach haben die Frauen und die Jünger verstanden, was es bedeutet, dass Jesus lebt“, sagt der Hammer Pastor Johannes Kühn. Er werde am Ostersonntag um 6 Uhr auch ohne die Gemeinde in der Kirche sein, die Osterkerze anzünden und ein Osterloblied singen. Um 10 Uhr sollten dann Christen überall, wo sie gerade seien, das Gesangbuchlied „Christ ist erstanden“ singen. Und Propst Matthias Bohl findet, an Ostern werde gefeiert, „damit der Schrecken nicht das letzte Wort behält“.

 

Das Archivbild aus der Dreifaltigkeitskirche zeigt, was Christen unter gemeinsamem Feiern verstehen
Foto: fbt

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