16. April 2022
Billstedt

Corona-Pause bei der Kriminalität?

Delikte im Bezirk Mitte sind zurückgegangen

Allein die Zahl der Wohnungseinbrüche ist um 40 Prozent gesunken Symbolfoto: GettyImages

BILLSTEDT/HORN Zwar ist die Kriminalstatistik (PKS) nur begrenzt aussagefähig, aber eins zeigt der Vergleich der Jahre 2021 und 2020: Die Zahl der (erfassten) Straftaten ist im gesamten Bezirk Mitte um 8474 zurückgegangen.

Wohnungseinbrüche, Diebstähle aus Transportern und von Baustellen, abmontierte Katalysatoren und Außenspiegel, leer geräumte Kellerverschläge, falsche Handwerker und falsche „Polizeianrufe“: Das kriminelle Alltagsgeschäft, wie es die Kommissariate in Hamm und Billstedt wöchentlich unserer Redaktion schildern, ist nicht dazu angetan, die Stadtteile zwischen Borgfelde und Mümmelmannsberg als besondere Kriminalitätsschwerpunkte zu bezeichnen.

Natürlich gib es auch im Osten Hamburgs Gewalt und organisierte Kriminalität, die ist aber eher von überregionaler Bedeutung. Noch zwei weitere Vorbemerkungen: Nur was angezeigt wird, taucht auch in der PKS auf. Es gibt Taten, bei denen „von Amts wegen“ ermittelt wird und solche, bei denen Anzeigen erstattet oder Strafanträge gestellt werden müssen.

In der Innenstadt mehr los

Und: Bei der Interpretation muss der Charakter des jeweiligen Stadtteils einbezogen werden. In St. Georg wurden 2021 immerhin 16.874 Straftaten registriert, auf der Insel Neuwerk keine einzige. Hammerbrook (2523), Hamm (2779), Horn (3055), Billstedt (6150), Rothenburgsort (1173) weisen vierstellige Zahlen auf. Wichtig auch: In Bill-stedt leben 71.077 Menschen (Statistikamt Nord, Stand 31. Dezember 2020), in St. Georg 11.349. Das bedeutet: In St. Georg ist die Kriminalität bezogen auf die Einwohner höher als in Billstedt.

Sehr viele Zahlen

Unter dem Stichwort Gewaltkriminalität fasst die Polizei mehrere Tatbestände zusammen: Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen, Vergewaltigung, schwere sexuelle Nötigung, schwerer sexueller Übergriff mit Todesfolge, Raub, Körperverletzung, erpresserische Menschenraub, Geiselnahme, Angriff auf den Luft- und Seeverkehr. Hammerbrook (77 Fälle) ist in diesem Bereich Schlusslicht, Billstedt (308) Spitzenreiter. Mit Vorsicht zu genießen sind bei den Stadtteilen die prozentualen Vergleiche: Werden in Rothenburgsort im Jahr 2020 noch 45 solcher Fälle registriert, sind es ein Jahr später 55 – die Zunahme beläuft sich trotzdem auf 22,2 Prozent.

Immer wieder Thema sind auch Diebstähle von Autos und von Gegenständen aus und in den Fahrzeugen. Während in Hammerbrook (387) nur 37 Fälle weniger als 2020 registriert wurden, nahm in Billstedt deren Zahl um 209 ab. Gestiegen ist sie nur in Borgfelde (zwei Fälle mehr). Uneinheitlich ist das Bild bei Fahrraddiebstählen: In Hamm wurden im vergangenen Jahr 57 Fahrräder mehr, in Horn 25 weniger geklaut.

Im Bezirk Mitte gab es 2021 gut 40 Prozent weniger Wohnungseinbrüche, gut 30 Prozent weniger Ladendiebstähle, gut elf Prozent weniger Straftaten im Ausländerrecht. Deutlich zurückgegangen ist bezirksweit auch die Zahl der Taschendiebstähle (minus 33,1 Prozent).

Die gesamte Statistik auf der Website der Polizei unter www.polizei.hamburg

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