14. Mai 2022
Billstedt

Bleiben die Pläne nur ein Luftschloss?

Wohnungsbau gerät durch Krisen ins Stocken

An diesem Neubau eines Mehrfamilienhauses im Sonnenland schwebt jetzt ein Richtkranz am Kran Foto: Timm

BILLSTEDT/HAMM Wer in die Sitzungsunterlagen der Bezirksversammlung schaut, kann dort die fünfte Fortschreibung des Bezirklichen Wohnungsbauprogramms finden. Heißt: 10.000 neue Bleiben im Jahr in ganz Hamburg.

Abseits von allen Beschlussvorlagen wird durchaus gebaut, wenn auch nicht immer schnell: Eine schon ausgehobene Baugrube an der Kapellenstraße in Billstedt ist schon länger leer, dafür ging es im Sonnenland an einem Saga-Projekt vergleichswiese zügig vorwärts, jetzt hängt der Richtkranz am Kran.

Doch das Bauen ist teuer, und zwar auch ohne den Ukraine-Krieg. Das zeigt der Hamburger Baukosten-Bericht 2021 – herausgegeben von der Stadtentwicklungsbehörde und der Arbeitsgemeinschaft für Zeitgemäßes Bauen (Stand März 2021). In den Prognosen für 2021 ist allein von 8,1 Prozent höheren Grundstückskosten die Rede. Drastisch ist es derzeit bei den Baustoffen: Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes spricht von deutlichen Preissteigerungen, die sich weiter fortgesetzt hätten. Diesel, Stahl und Bitumen wurden im März 45 bis 65 Prozent teurer.

Dass die Lage offensichtlich ernst ist, zeigt eine Mitteilung der Stadtentwicklungsbehörde von Ende April, als Senatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) mit den Verbänden der Wohnungswirtschaft zusammensaß. Die Möglichkeiten der Politik seien begrenzt, es würden aber „zusätzliche Bundesmittel aus der Verwaltungsvereinbarung für den sozialen Wohnungsbau“ eingesetzt. Ansonsten viel Beschwörendes: Besorgnis wegen der aktuellen Entwicklung, alle Beteiligte stünden vor einer fast unlösbaren Aufgabe. 2022 und 2023 würde das Ziel, 10.000 genehmigte Wohnungen pro Jahr, kaum erreicht werden.

Damit ist das Bezirkliche Wohnungsbauprogramm wohl schon fast theoretischer Natur: Gebaut wird wohl, was bezahlt werden kann.

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