6. November 2021
Billstedt

Bei Regen tropft es in die Zimmer

Brockhausweg Mieter beklagen Zustände

Von außen sehen die kleinen Reihenhäuser ganz nett aus, in den Wohnzimmern läuft hier bei Regen aber das Wasser die Wände herunter Foto: Grell

Billstedt Die Anwohner einer Saga-Siedlung am Brockhausweg sind auf Zinne, denn seit Jahren verspricht die Saga Renovierungen für die maroden Gebäude. Bislang ist „hier aber absolut nichts passiert“, beschwert sich auch Uwe Graff, einer der vielen Mieter, die hier zwischen nassen Wänden und Schimmelpilz in Wohnungen hausen müssen, die „eigentlich unbewohnbar sind“.

Der Zustand der Wohnungen sei „unzumutbar“ und das Umfeld zudem „vermüllt und von Ratten befallen“, ärgern sich die Mieter, die für eine Drei-Zimmer-Wohnung mit kleinem Vorgarten bereits 1000 Euro Miete bezahlen, Tendenz steigend. Die eigenen Renovierungsversuche sind inzwischen bei allen Mietern gescheitert, denn in jedem neu tapezierten Zimmer „fällt schon nach ein paar Tagen die Tapete wieder von der Wand“, bedauert eine Mieterin, die mit ihrem Sohn erst seit zwei Jahren in einer der betroffenen Wohnungen lebt und nur durch ständiges Lüften die nasse und muffige Luft in den Innenräumen überhaupt ertragen kann. „Auf Dauer macht das krank“, dennoch harren einige Mieter aus, weil die Angst, die Wohnung zu verlieren groß ist.

Warum sich die Nachbarn nicht einfach nach einer anderen Wohnung umsehen und den scheinbar aussichtslosen Kampf mit der Saga aufgeben? „Die Mieten in Hamburg sind extrem hoch, und die meisten von uns auch hier im Quartier bereits aufgewachsen. Zudem ist da der enge Zusammenhalt untereinander – ähnlich wie der in einer großen Familie“, betont Sabine Meier, vor derem kleinen Reihenhaus nun zum ersten Mal ein Baugerüst aufgebaut wurde, aber auch nach Wochen noch keine Arbeiten stattgefunden haben.
„Die Dächer sind noch aus der Nachkriegszeit mit Dachpappe beschichtet“, erklärt Graff, einer der Mieter der ersten Stunde, und da laufe bei Regen das Wasser im Wohnzimmer an den Wänden runter.

„Sanierung ist inAuftrag gegeben“

Saga-Sprecher Gunnar Gläser erklärte auf Wochenblatt-Anfrage, dass für die 50 Gebäude mit rund 150 Wohnungen am Brockhausweg eine umfassende Sanierung der Dächer in Auftrag gegeben wurde, „die sich derzeit in der Umsetzung befindet“. Zudem sollen bei einzelnen Häusern die Keller abgedichtet und Außenwände neu verfugt werden.

Die Anwohner glauben nicht daran, denn schon zu oft wurde ihnen hier viel versprochen: „Wir fühlen uns von der Saga nicht erstgenommen, die behandelt uns wie Menschen zweiter Klasse“. Mit einer Unterschriftenliste wollen sich die Mieter jetzt noch einmal an den Vermieter wenden und sich mit Nachdruck für ihre Rechte als Mieter auf „gesundes Wohnen“ einsetzen. Während die Saga überall in der Stadt schicke Neubauten errichte, bleibe der Brockhausweg auf der Strecke.

Sabine Meier hat zusammen mit Nachbarn Unterschriften gesammelt Fotos: Grell

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