16. Juli 2022
Ohlsdorf

Mit einer Null in die Radarfalle

Abzocke oder dummer Streich? Polizei ermittelt

Der Ohlsdorfer Hans-Eberhard Wassermann zeigt auf das korrekte Schild Foto: wb

OHLSDORF Unerklärliche Dinge ereigneten sich kürzlich auf der Wellingsbütteler Landstraße.

Hans-Eberhard Wassermann aus Ohlsdorf fährt am 26. Juni gegen 15 Uhr mit seinem schwarzen Golf die Wellingsbütteler Landstraße in Richtung Norden. Er kennt die Strecke, fährt sie fast täglich. Kurz vor dem Altenheim an der Einmündung Kornweg bremst er: Hier sind 30 km/h Höchstgeschwindigkeit vorgeschrieben – zunächst auf 100 Metern, ab Einmündung Kornweg noch auf 50 Metern. Wassermann gibt nach 100 Metern wieder Gas – und wird geblitzt.

Der Autofahrer ist von den Socken: „An dieser Stelle sind 50 km/h Höchstgeschwindigkeit vorgeschrieben, und ich war bestimmt nicht schneller.“ Wassermann parkt seinen Wagen und entdeckt den „Blitzer-Anhänger“: „Innerhalb von zehn Minuten wurde ein Dutzend Autos geblitzt“, schildert er später. Nun schaut er sich das Verkehrszeichen am Kornweg genauer an: „Deutlich zu sehen waren aus dem Zusatzschild „50 m“ mit einer aufgeklebten „0“ 500 Meter geworden. Ist das vielleicht eine neue Methode, um Autofahrer abzuzocken?“ fragt er sich verärgert.

Autofahrer werden nicht zur Kasse gebeten

Das zuständige Polizeikommissariat 35 (Poppenbüttel) wird verständigt, schickt einen Streifenwagen. Ein Sprecher bestätigt dem Wochenblatt: „Die Veränderung (am Verkehrszeichen, d. Red.) wurden nicht nur durch Überkleben vorgenommen, vielmehr wurden die alten 50-Meter-Zusatzschilder durch neue 500 Meter-Schilder ausgetauscht…“.

Auf Anweisung der Polizei wurden die ungültigen Schilder schnell vom Bezirksamt Nord ersetzt, und das PK 35 teilte dem Wochenblatt mit: „Die für die Geschwindigkeitsmessungen zuständige Verkehrsdirektion hat von uns Kenntnis erhalten und klärt den Sachverhalt. Bis zu einer Entscheidung werden für den gesamten Messzeitraum vom 24.6. bis 4.7. keine Buß- oder Verwarngeld-Bescheide verschickt.“

Der Vorfall bleibt mysteriös

Trotz dieser für betroffene Autofahrer tröstlichen Mitteilung bleibt einiges im Dunkeln. Wenn, wie die Polizei mitteilt, „unbekannte Täter“ für das Überkleben und/oder Entfernen der gültigen Verkehrszeichen verantwortlich waren, erklärt das noch nicht das (gleichzeitige?) Stattfinden der Geschwindigkeitskontrollen. Autofahrer Wassermann hält deshalb auch die „polizeiliche Erklärung … für unglaubwürdig“: „Warum war der Blitz-Anhänger erst hinter dem regulären Tempo-30-Abschnitt aufgebaut?“

Auf Nachfrage des Wochenblatts versichert ein Pressesprecher der Polizei Hamburg: „Der Sache wird in jedem Falle nachgegangen. Hier laufen noch Ermittlungen.“

Das von unbekannten Tätern manipulierte Verkehrszeichen Foto: wb

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