28. August 2021
Ohlsdorf

Frust nach Ende für Nikodemus-Kirche

Drinnen Abschiedsgottesdienst, draußen Demo

Mit einer Demonstration vor der Nikodemuskirche protestierten Gemeindemitglieder gegen die Schließung Foto: Grell

Mit einer Demonstration vor der Nikodemuskirche protestierten Gemeindemitglieder gegen die Schließung Foto: Grell

OHLSDORF In der Nikodemuskirche in der Fuhlsbüttler Straße 656 wurde am vergangenen Sonntag der endgültig letzte Gottesdienst in Begleitung von Propst Martin Vedder und Pastor Bernd Müller-Teichert gefeiert. Die Kirche soll aus finanziellen Gründen und aufgrund sinkender Mitgliedszahlen aufgegeben werden.

Die wenigsten der Kirchengänger im Quartier sind mit diesem für sie unschlüssigen Schritt einverstanden und wollen auch weiterhin um den Erhalt ihrer Kirche kämpfen. „Das Ganze ist überhaupt nicht transparent kommuniziert worden“, bedauert Sabine Oppelt, vom Förderverein, die im Anschluss des Gottesdienstes zu einer Demonstration vor dem Gebäude aufgerufen hatte. Auch Klaus Kurznack (79) ging für seine Kirche noch einmal auf die Straße, denn „wir wollen unsere Nikodemus hier im Stadtteil auf keinen Fall verlieren.“ Die Gemeindemitglieder waren von dem Abschied enttäuscht, denn „es gab keine Worte mehr, die auf eine neue Chance für die Kirche hingewiesen hätten“, bedauert auch Thomas Hedder, Mitglied des Kirchengemeinderates.

Bemängelt wird insbesondere die fehlende transparente Argumentation, die am Ende zur Schließung der Kirche geführt hat. „Eine Gemeinde der Größe wie Ohlstedt-Fuhlsbüttel kann sich nur einen Standort leisten, nicht zwei“, so die Aussagen der Sprecherin der Kirchenkreises, Miriam Hansen. Dabei sei es dem Kirchenkreis nicht leicht gefallen und man habe erst nach langjährigen Diskussion entschieden. Das bedeute, dass die Kirche geschlossen und das Gottesdienstleben auf die Kirche St. Marien konzentriert werde. Gegen den Aufgabebeschluss wurde Widerspruch eingereicht, der aber keine aufschiebende Wirkung habe, da aufgrund der bedrängenden finanziellen Situation der Gemeinde, der Kirchengemeinderat die sofortige Schließung angeordnet habe.

Zurzeit sucht der Kirchengemeinderat nach einer guten Lösung für die Nutzung des Gebäudes. Das künftige Konzept sieht vor das Kirchengebäude zu erhalten und zu garantieren, dass die Evangelische Kita weiter in ihren vertrauten Räumen weiterarbeiten kann. Propst Martin Vetter: „Die Kirche soll dem Stadtteil erhalten bleiben, es ist uns wichtig, die Gemeinde lebendig zu gestalten. Dazu gehört auch, sich in Zeiten des Wandels und der Veränderung als eine kleiner werdende Kirche zu begreifen und Kräfte zu bündeln.“ Die bei Aufgabe einer Kirche vorgesehene formale Entwidmung werde erst begangen, wenn eine neue Nutzung für das Kirchengebäude gefunden worden ist.
Die Gemeindemitglieder fühlen sich schlecht informiert, denn obwohl zunächst angeblich beide Kirchengebäude in einem sanierungsbedürftigen Zustand waren, wurde „dann plötzlich die Kirche St. Marien wieder in einen besseren Zustand hochgestuft, obwohl schon mit bloßem Auge bauliche Mängel am Beton zu erkennen sind“, so Oppelt. Die Bitte um die Stellungnahme eines Sachverständigen blieb bisher unbeantwortet.

Der Förderverein hatte verschiedene Maßnahmen zur Rettung der Kirche vorgeschlagen, darunter die Vermietung der Wohnung im Erdgeschoss des Pastorats, die bereits seit Ende November 2020 leer steht oder den Abriss der Nebengebäude um auf diesem Teilabschnitt Wohnungsbau zu ermöglichen. „Nikodemus ist eben für uns viel mehr als nur ein Gebäude, das man einfach aufgeben kann“, bedauern die Gemeindemitglieder, die sich deshalb weiter für den Erhalt der Kirche einsetzen: „Noch geben wir nicht auf.“

Propst Martin Vedder erklärt, dass sich die beiden Kirchen nicht finanzieren lassen Foto: Kirchenkreis Ost
Propst Martin Vedder erklärt, dass sich die beiden Kirchen nicht finanzieren lassen Foto: Kirchenkreis Ost

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