4. September 2023
Dulsberg

Gemütlich und günstig essen gehen

Stadtteilküche Pottkieker Vorpandemische Besucherzahlen noch nicht wieder erreicht

Silvia Kudwien ist Chefköchin beim Pottkiecker und leitet ein 12-köpfiges Team. Fotos: Grell

DULSBERG Zu Hause allein essen ist langweilig und für eine Person kochen lohnt sich meist gar nicht so richtig. „Echt super“ finden deshalb die Dulsberger, dass es im Alten Teichweg die Stadtteilküche „Pottkieker“ gibt, wo man gemütlich und sehr günstig in netter Gesellschaft essen gehen kann.

Bei leckerer Hausmannskost, mal mit Fleisch und mal vegetarisch, kommt man schnell mit anderen ins Gespräch. „Ich komme schon seit Jahren jeden Tag her“, verrät eine 76-Jährige Besucherin des kleinen schmucken Restaurants, das sowohl für bedürftige Menschen, als auch für jeden anderen einen Platz freihält. Für 3,50 Euro kann man hier auf Stühlen speisen, die vom Hotel Atlantic gespendet wurden. Gäste ohne Nachweis einer Bedürftigkeit zahlen 5 Euro pro Mittagessen. Gekocht wird von Mitarbeitern, die zuvor lange arbeitslos waren und hier wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen.

„Vor der Corona-Pandemie hatten wir täglich bis zu 200 Gäste“, betont Kersten Tormen, der langjährige Geschäftsführer des Trägers „Mook wat“, zuletzt sei die Anzahl der Gäste dann leider auf weniger als die Hälfte zusammengeschrumpft. Jetzt wollen die engagierten Mitarbeiter Nachbarn erneut annimieren, vorbeizukommen und den Pottkieker einfach einmal auszuprobieren. „Wer erstmal hier war, kommt meist immer wieder“, weiß das Küchenteam, das aus allen Lebensmittelspenden, die beim Pottkieker ankommen, immer ein leckeres Mittagessen zaubert.

Chefköchin Silvia Kudwien betont, wie wichtig die Arbeit für viele ist, die im Team dabei sind. Sie war selber arbeitslos, bevor sie diese Stelle bekam und heute nach zehn Jahren ein ganzes Team leitet. Zunächst einmal für zwei Jahre können Langzeitarbeitslose beim Pottkieker ihre Talente testen und wieder Kraft und Mut für den ersten Arbeitsmarkt schöpfen.

Nicht barrierefrei

Nachdem der Pottkieker vor Jahren kurz vor dem Aus stand und durch einen Förderverein gerettet wurde, wartet die gemütliche Quartiers-Küche jetzt auf neue Gäste, die sich nach dem Ende der Pandemie auf den Weg machen, um unter Leute zu kommen und gemeinsam zu Mittag zu essen.

In der vergangenen Woche hat sich auch Bezirksamtleiter Michael Werner-Boelz vom Bezirk Nord ein Bild von der Stadtteilküche gemacht und war von der Arbeit dort beeindruckt. Die Leidenschaft, mit der dort gekocht wird, ist einfach überwältigend und wer sich selber einmal überzeugen möchte, kann ohne Anmeldung einfach vorbeikommen. Das kleine Restaurant liegt im Hinterhof und kann bisher nur über eine Treppe erreicht werden. Ob es dazu eine Lösung geben kann, darum will sich Michael Werner-Boelz jetzt kümmern und versuchen, Gelder für eine Verbesserung der fehlenden Barrierefreiheit bereitzustellen. Bald soll es auch noch eine neue Beschilderung für den Pottkieker geben, „damit uns auch alle finden“. Dass zur Zeit weniger Besucher als vor der Pandemie kommen, kann auf jeden Fall nicht am Essen liegen, denn wer einmal beim Pottkieker in der Küche stand, kann diesen leckeren Geruch nicht so schnell wieder vergessen.

Stadtteilküche Pottkieker, Alter Teichweg 53, geöffnet Montag bis Freitag, 11.30–13.30 Uhr

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