2. September 2020
Barmbek

„Wir tanzen Swing im Kaffee König“

Wo die Jugend während der NaziZeit ihren Spaß hatte, entsteht ein Hotel

Das Kaffee König am Barmbeker Bahnhof war um 1940 ein beliebter Treffpunkt für die Swing-Jugend Foto: Archiv GWB/VVM

BARMBEK Wilhelm König, der als Boxer und Ringer in den 1920er-Jahren in Hamburg Berühmtheit erlangte, war im Hauptberuf Schlachter und Geschäftsmann. Sein 1930 in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof eröffnetes Kaffeehaus war besonders um 1940 herum bei jungen Swing-Fans sehr beliebt.

Im Kaffee König wurde die vom NS-Regime verpönte Swing-Musik trotz des geltenden Verbots gespielt, und es fanden heimliche Tanzveranstaltungen statt. Ein eingespielter Türdienst sorgte bei Kontrollen durch den Streifendienst der Hitlerjugend rechtzeitig für Warnung und veranlasste die Kapelle mit einem Wink zum Programmwechsel.
Zu den jugendlichen Fans der US-Swing-Rhythmen gehörten auch Ralph Giordano (1923–2014) und Hans-Jürgen Massaquoi (1926–2013). Die beiden aus Barmbek stammenden Schriftsteller zählen zu den bekanntesten Zeitzeugen der Hamburger NS- und Verfolgungsgeschichte. Ihre am meisten gelesenen Veröffentlichungen sind „Die Bertinis“ von Giordano) und „Neger, Neger, Schornsteinfeger!“ von Massaquoi. Noch bis in das Jahr 1963 sah man an der Hausfassade an der Fuhlsbüttler Straße den Schriftzug „Kaffee König“, obwohl das Lokal bereits seit 1960 geschlossen war. 1967 wurden die Räumlichkeiten zum „Ballhaus Barmbek“ und in den 1980ern in eine Spielhalle umgewandelt.

Mittlerweile sind alle Gebäude auf der „Bahnhofslinse“ abgerissen und dort, wo einst die Musik aus dem Kaffee König erklang, entsteht etwas ganz Neues. Geplant ist ein Hotel mit einem Pub im Erdgeschoss, der für alle Interessierten geöffnet sein soll. Vielleicht ertönt dort ja auch einmal die alte Swing-Musik aus dem Kaffee König.
Wer sich für die facettenreiche Vergangenheit des Stadtteils Barmbek interessiert, wird in der Geschichtswerkstatt Barmbek fündig: www.geschichtswerkstatt-barmbek.de

In der nächsten Folge: Der Bahnhof Barmbek

 

Aktuell wird auf dem Grundstück an der Bahnbrücke ein Hotel mit rund 140 Zimmern gebaut Foto: Busse

Auch interessant