2. September 2020
Barmbek

Ihre Stimme wird im Stadtteil fehlen

Zum Tode von Käthe Christiansen. Eine große Aktivistin im Kampf für soziale Gerechtigkeit

Käthe Christiansen machte oft Urlaub am Meer. Im Stadtteil Dulsberg war sie als starke Aktivistin bekannt Foto: privat

DULSBERG Mit Käthe Christiansen hat Dulsberg eine große Aktivistin für Frieden und Gerechtigkeit verloren, die noch bis zu ihrem Tod mit 93 Jahren Unterschriften sammelte für Projekte, die ihr wichtig waren.

Als Mitglied der DKP kam die Hamburgerin, die am 16. April 1927 geboren wurde, schon in den 1960er-Jahren in den Stadtteil und setzte sich als überzeugte Antifaschistin und Frauenrechtlerin für die Interessen der Anwohner ihres Viertels ein. Christiansen fühlte sich mit dem Stadtteil verbunden, der lange als einer der ärmsten in Hamburg galt. Mit Protestaktionen machte sie auch auf die drohenden Schließungen der Bücherhalle und das Schwimmbad aufmerksam und setzte sich für den Erhalt von Wohnraum ein, als dieser modernisiert und die Mieten erhöht werden sollten. „Wir haben oft telefoniert und uns über unterschiedlichste Themen ausgetauscht“, erinnert sich ihre Freundin Lore Meimberg-Eke, die schon Anfang der 1980er das Viertel verließ, während Käthe Christiansen dem Quartier die Treue hielt. Bei ihren Telefonaten sei es immer um die Arbeit in der Friedensbewegung gegangen, und dass die jungen Leute sich zu den „Friday for Future“-Demos zusammengefunden hatten, „fand Käthe einfach toll“.

Mit einer Zeitung, die Christiansen zusammen mit anderen Genossen herausgab, informierte sie über alles, was rund um den Straßburger Platz passierte, stand auch im engen Kontakt mit der Kirche und machte sich stark, wenn soziale Ungerechtigkeit den Menschen das Leben schwer machte. Sie wohnte mit ihrem Mann Jule auch mit jenseits der 90 Jahre noch in der eigenen Wohnung – natürlich auf dem Dulsberg. Auch ihre Tochter Regine kann sich an viele politische Berichte im Elternhaus erinnern, die sie selbst geprägt und mit der Friedenspolitik verbunden haben. Trotz ihrer überzeugten und direkten Art, wenn es um politische Fragen ging, war Christiansen privat eher freundlich und zurückhaltend.

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