19. August 2020
Barmbek

Gewachsen zur „Hafen City“

Die Verwandlung entlang des Osterbekkanals

Die Neubebauung der 2000er-Jahre hat dem Löschplatz am Lämmersieth den Beinamen „Hafen City von Barmbek“ eingebracht Foto: Busse

BARMBEK Wer bei „Löschplatz“ an die Feuerwehr denkt, liegt daneben. Gemeint ist der Anlegeplatz für Lastschiffe, die hier am Osterbekkanal entladen, also „gelöscht“, wurden. Ein Begriff, der in Hamburg bereits um das Jahr 1700 herum verwendet wurde.

Entlang des Osterbekkanals gab es ehemals vier Löschplätze, die sich an der Bachstraßenbrücke, dem Kaemmererufer, der Hufnerstraßenbrücke und am Lämmersieth befanden. Alle Flächen sind mittlerweile umgeformt oder bebaut worden.
Doch wer heute auf der Bramfelder-Brücke, dem Übergang von Barmbeker Markt zu Bramfelder Straße über den Osterbekkanal, steht und Richtung Osten blickt, kann die buchtartige Erweiterung des Kanals an der Straße Lämmersieth erkennen. Hier war ab 1902 der Endpunkt des künstlichen Wasserwegs. Damals gab es im Hintergrund noch nicht die große Rundbogenbrücke, mit der die Bahn über den Kanal geführt wird. Sie wurde erst in den Jahren 1905/06 errichtet. Der weiter östlich angrenzende Kanalabschnitt wurde fünf Jahre später gebaut.
Ihre Hauptfunktion hatten die Löschplätze in den Jahren 1880 bis 1910, als man dort Millionen von Tonnen an Baumaterial entlud, mit dem in Rekordzeit die neuen Wohnviertel der Hansestadt hochgezogen wurden. Ab den 1920er-Jahren verloren diese Flächen wegen der reduzierten Bautätigkeit und des zunehmenden Lkw-Verkehrs an Bedeutung. So fiel auch der Löschplatz Lämmersieth in eine Art Dornröschenschlaf. Im Sommer angelten hier gelegentlich Kinder nach Rotaugen und Brassen, im Winter lud hin und wieder die Stadtreinigung große Mengen an Schnee zum Abtauen ab. Dies änderte sich als Barmbek ab 2005 immer mehr in den Fokus von Investoren geriet. Das 7400 Quadratmeter große Areal wurde mit drei Doppelwohnhäusern, drei Blöcken mit rund 40 Wohnungen sowie einem Seniorenzentrum bebaut. Insgesamt sollen hier 32 Millionen Euro investiert worden sein. Heute erinnert nur noch der Name der Erschließungsstraße Alter Löschplatz an die historische Nutzung des Geländes.

In der nächsten Folge: das Kaffeehaus König

Noch im Jahr 1988 lag der alte Löschplatz (im Vordergrund) im Dornröschenschlaf. Zuvor war er ein wichtiger Anlegepunkt für Lastkähne gewesen Foto: GWB-Archiv

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