22. April 2020
Barmbek

Gedanken an das „Vorbild“ Günter Grass

Pensionär war „Haus- und Hofzeichner“

Der Schriftsteller bei einem Auftritt am 10. April 2011 vor dem AKW Krümmel – festgehalten von Helmut Preller Foto: Preller

HAMBURG Am 13. April jährte sich der Todestag des großen deutschen Schriftstellers Günter Grass („Die Blechtrommel“, „Hundejahre“) zum fünften Mal. Für den pensionierten Kunstlehrer Helmut Preller (69) aus der Gartenstadt Hamburg-Berne ein Tag des besonderen Gedenkens.

Preller nämlich hat das letzte Porträt des Literaturnobelpreisträgers gezeichnet. Durch Zufall lernte Preller, der sich häufig in seinem Atelier in Schönberg an der Ostsee aufhält, den Schriftsteller im Jahr 2007 kennen. Ein Schönberger Freund hatte ihm Karten für den Festakt zu Grass‘ 80. Geburtstag in Lübeck geschenkt. Als Grass dann sein Hörbuch „Der Butt“ einlas, war Preller immer wieder mit Skizzenblock und Zeichenstift dabei. An den berühmten Schriftsteller wagte er sich aber erst heran, als ihn dessen Lektor Helmut Frielinghaus dazu aufforderte. So nahm Preller an mindestens 16 öffentlichen Lesungen und Auftritten seines Protagonisten teil, füllte acht Skizzenbücher mit rund 500 Zeichnungen und verdiente sich Grass‘ Titel als „mein Haus- und Hofzeichner“.

„Eigentlich hat sich Günter Grass nur ungern porträtieren lassen. Bei Preller war das anders. Der hat sich immer still in eine Ecke gesetzt und hatte die Eigenschaft, Menschen auch in Bewegung zu zeichnen“, berichtete die ehemalige Sekretärin des Schriftstellers, Hilke Ohsoling, dem Wochenblatt.

Ohsoling ist Geschäftsführerin der Günter und Ute Grass Stiftung in Lübeck. Preller sah und sieht in dem Schriftsteller „ein Vorbild des mündigen Bürgers“, eine Haltung, die der gebürtige Danziger sein Leben lang propagierte: „… den Mund aufmachen, auch bei Gegenwind“, wie es Grass einmal selbst formulierte.

Am 1. März 2015 entstand das letzte Porträt, als Grass den Literaturpreis „Von Autoren für Autoren“ überreichte. Sechs Wochen später starb er im Alter von 87 Jahren.

Preller zeigt eine Auswahl seiner Werke auf: www.fas-schoenberg.com.

 

Helmut Preller bei einer kürzlichen Ausstellung im alten Berner Wasserwerk
Foto: tel

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