13. November 2021
Barmbek

Entgingen der Stadt 400.000 Euro?

Ex-Bezirksamtsleiter vor Gericht

Ex-Bezirksamtsleiter Harald Rösler Foto: wb

HAMBURG-NORD Es geht um Bestechlichkeit und Untreue. Der Fall ist über vier Jahre her. Aber er schlägt immer noch hohe Wellen, denn es geht um Harald Rösler (71), den ehemaligen Leiter des Bezirksamts Hamburg-Nord – und um die Rolling Stones.

Seit Mittwoch muss sich der Ex-Bezirksamtsleiter vor dem Landgericht Hamburg wegen der Vergabe von Freikarten für das Rolling Stones-Konzert, das im September 2017 im Hamburger Stadtpark stattfand, verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren hohen Beamten vor, dass er bei den Verhandlungen über die Genehmigung des Konzerts von dem Veranstalter ein Gesamtkontingent von 300 „Kaufkarten“ und 100 Freikarten für das Bezirksamt Hamburg-Nord verlangt habe. Dem Veranstalter gegenüber soll er im Gegenzug in Aussicht gestellt haben, ihm bei der Höhe des Entgelts für die Nutzung des Stadtparks entgegen zu kommen.

Er soll mit dem Veranstalter eine Gebühr von etwa 196.000 Euro vereinbart haben, zuzüglich einer Bearbeitungspauschale. Nach der Gebührenordnung, so die Staatsanwaltschaft, hätte der Veranstalter jedoch ein Nutzungsentgelt in Höhe von mehr als 600.000 Euro zahlen müssen. Dementsprechend seien der Freien und Hansestadt Hamburg Einnahmen in Höhe von rund 400.000 Euro entgangen.

Die widerrechtlich erlangten Freikarten soll der ehemalige Bezirksamtsleiter an 40 Bedienstete seiner Behörde als Dank für geleistete und zukünftig anfallende Dienste verteilt haben. Außerdem soll er „Freunden des Hauses“ ermöglicht haben, über das Bezirksamt Tickets aus dem „Kaufkarten“-Kontingent zu erwerben.
Außer Harald Rösler müssen auch einer seiner Mitarbeiter wegen Beihilfe zur Bestechlichkeit sowie zwei Verantwortliche der Konzertgesellschaft wegen Bestechung die Anklagebank drücken.

Der Ex-Bezirksamtsleiter wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Dafür wies der Anwalt von Scorpio die Anschuldigungen zurück. Es habe keine geheimen Absprachen gegeben. Insgesamt, inklusive der späteren Beseitigung aller Schäden, habe Scorpio über 600.000 Euro für die Nutzung der Festwiese bezahlt. Außerdem sei es üblich, dem Vermieter von Konzerthallen oder Freiluftplätzen ein gewisses Kartenkontingent zu überlassen. Urteil vermutlich Ende Januar.

In der Affäre sind bereits zwei Beamtinnen verurteilt worden, ohne dass die Urteile bislang rechtskräftig wurden. Eine ehemalige Staatsrätin wurde wegen Vorteilsannahme zu einer Strafe von 20.400 Euro verurteilt. Eine Sozialdezernentin aus dem Bezirksamt Nord soll rund 14.000 Euro bezahlen, weil sie Freikarten annahm.

Für die Hauptverhandlung wurden bis Dienstag, 25. Januar, elf weitere Sitzungstermine anberaumt.

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