4. September 2021
Barmbek

Die vergessene Corona-Jugend

Sorge um Zukunft. Trauer um verpasste Chancen

Foto: ghettyImages

BARMBEK Eigentlich hieß es immer, die Jugend sei die schönste Phase im Leben, weil sie so viele Freiheiten mit sich bringt. In Zeiten der Corona-Pandemie ist es nun aber gerade die Generation der 12- bis 18-Jährigen, die sich verloren und vergessen fühlt.

Die Schüler der 9. Klasse der Ilse-Löwenstein-Stadtteilschule hat es hart getroffen, denn weder die Klassenreise konnte stattfinden, noch gibt es ausreichend Firmen, die Praktika oder Ausbildungsplätze anbieten können. „Und unsere Freunde konnten wir die ganze Zeit über natürlich auch kaum treffen“, bedauert Julius (15) die Phase des Lockdowns, in der er allein in seinem Zimmer zu Hause lernen musste. Es seien dadurch auch Freundschaften in die Brüche gegangen, bedauert Julia (15), und es sei „wahnsinnig schwer ein Unternehmen zu finden, das jetzt ein Praktikum möglich machen will.

Junis (14) hat noch in letzter Sekunde einen Platz in einer Fahrradwerkstatt bekommen, obwohl das eigentlich nicht sein Wunschpraktikum war, „aber besser, als dann drei Wochen in eine andere Klasse gehen zu müssen, weil man nichts gefunden hat.“

Die Jugendlichen habe es hart getroffen, weiß auch Schulleiter Ingo Straub, denn gerade in dieser Phase wolle man viel erleben und freue sich auf jede Klassenreise und jede Party. Auch mit den Noten in der Schule ging es bei einigen Schülern in der Lockdown-Phase bergab. Während einige beim Homeschooling weniger Ablenkungen durch andere Schüler erfuhren und dadurch die Noten sogar noch verbessern konnten, fehlte anderen der Kontakt zu den Klassenkameraden und ein ruhiges Fleckchen in der Wohnung zum Lernen.

„Wir fühlten uns einfach irgendwie oft wie vergessen“, lautet der Tenor der Jugendlichen nach zwei Jahren Pandemie. „Glücklich sind wir vor Allem darüber, dass wir uns jetzt zumindest wieder treffen dürfen“, erklärt Junis und wieder mit Freunden unterwegs zu sein, sei „einfach super“. Ob sie wegen der schlechteren Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt noch ihren Traumjob verwirklichen können, steht auch in Frage – und ganz klar ist allen: „Nachholen können wir nichts von dem, was wir in dieser Zeit an Lebenserfahrung verpasst haben.“

Unternehmen, die noch Praktika oder Ausbildungsplätze anbieten möchten, können sich direkt an die Schulen wenden

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