21. August 2021
Barmbek

Denkfabrik durch Corona ausgebremst

Bugenhagenkirche und ihre Zukunft

Kirche

Die Bugenhagenkirche war lange als „Die Burg“ bekannt Foto: kg

BARMBEK 2004 war die Bugenhagenkirche geschlossen, 2019 entwidmet worden. Im gleichen Jahr erfolgte der Verkauf durch den Kirchenkreis Hamburg-Ost. Passiert ist danach recht wenig.

Nachdem Christian Ayivi den Zuschlag für einen unbekannten Preis bekam, hat es rund um die Kirche von 1927 deshalb nach dem Auszug der letzten Nutzer in Form der Kulturstätte „Die Burg“ viel „Getuschel“ gegeben. Ayivi will aus der Kirche das Kulturzentrum „Afrotopia“ machen – eine Denkfabrik, in der sich Menschen aus unterschiedlichen Kulturen begegnen könnten und Geschäftsräume als Kompetenzzentrum für wirtschaftliche Zusammenarbeit von Firmen im afrikanisch-europäischen Geschäftsfeld. „Corona hat uns alle leider erst einmal heftig ausgebremst“, bedauert der studierte Theologe, der eine Menge interessanter Pläne im Kopf hat.

Das Konzept des neuen Hauses baut dabei auf vier Säulen: Es soll Vorführungen auf den beiden großen Bühnen für den gesamten Stadtteil geben, Newcomer und junge Start-up-Unternehmen werden im Haus mit Räumen unterstützt, zudem soll es einen Lernbereich mit Kursusangeboten und Nachhilfe für Kinder und eine Reihe von kulturellen Veranstaltungen in dem großzügigen Gebäude geben.

Mit „Afrotopia“ hat Christian Ayivi auch eines der ersten Zentren in Deutschland für eine Community verschiedener Herkunft in der Afro-Bewegung geschaffen, die bis zu 20.000 Hamburger umfasst. Auch Themen wie Rassismus und Kolonialisierung sollen unter dem Dach Raum für Diskussionsrunden finden.

„Ich habe immer schon von einem Haus für unsere Community geträumt“, so der IT-Fachmann, der jetzt mit seinem Team darauf wartet, dass die Maßnahmen gelockert werden und das kulturelle Programm wieder starten kann: „Wir hatten wirklich Pech, weil unsere Pläne direkt in die Pandemie gefallen sind.“

Ein paar Gruppen nutzen die Räume allerdings auch jetzt schon als Probenräume für ihre Band oder als Theatersaal für die Vorbereitungen auf folgende Aufführungen. Die Kirche sei von Anfang an als Kultur-Kirche konzipiert gewesen, erklärt der Theologe. Mit einem breiten Angebot will er auch den Stadtteil wieder ins Haus holen, hier Arbeitsplätze für junge Selbstständige anbieten, ein Café eröffnen und „ein offenes Haus für alle sein“.

An dem öffentlich ausgeschriebenen Verkaufsverfahren konnten sich Einzelpersonen, Unternehmen oder Zweckgemeinschaften beteiligen. Wichtig war nicht nur eine wirtschaftliche Tragfähigkeit der Konzepte. Auch soll die zukünftige Nutzung den Menschen im Stadtteil zugutekommen. Bedingung war der langfristige Erhalt und ein angemessener Umgang mit dem denkmalgeschützten Gebäude.

Orgel
Die Orgel im oberen Bereich der Kirche soll auch als Lehrinstrument zur Verfügung stehen Foto: Grell

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