18. Juni 2022
Barmbek

Als 2300 Menschen hier Arbeit hatten

Die Geschichte von Heidenreich & Harbeck

So sah es früher in den Hallen von Heidenreich & Harbeck aus. Außer Maschinenteilen und Werkzeugen wurde hier auch für die Kriegsmaschinerie produziert Fotos: GWB

BARMBEK Von der Werkzeugmaschinenfabrik Heidenreich & Harbeck zum Theater-Campus und zum Bezirksamt: In ihrer neuen Schaufenster-Ausstellung im Rundbunker am Wiesendamm, Ecke Poppenhusenstraße stellt die Geschichtswerkstatt Barmbek die Geschichte und Umnutzung der ehemaligen Barmbeker Traditionsfirma in vielen Fotos und ausgewählten Objekte sehr anschaulich dar.

Mit einer Chronologie der Ereignisse und Texten zum Thema „Abriss“ geben die beiden Ausstellungsmacher Harald Ehlers und Jürgen Kinter einen spannenden Einblick in die Stadtteilgeschichte und die zukünftige Quartiersentwicklung am Wiesendamm.

Seit 1917 gab es Heidenreich & Harbeck in Barmbek. Hauptprodukte waren Drehbänke und Kegelradhobelmaschinen, die aufgrund ihrer Qualität weltbekannt wurden. Ungewöhnlich für die damalige Zeit waren die zahlreichen Angebote für die Beschäftigten, darunter Sportvereine, Chöre, Jubiläumsfeiern und Firmenausflüge. Großgeworden war der Betrieb allerdings durch Rüstungsproduktion im Ersten und Zweiten Weltkrieg und durch den Einsatz von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter/-innen.

Nach Demontage und Wiederaufbau erlebte das Unternehmen in den 1950er- und 1960er-Jahren seine wirtschaftliche Blütezeit und den Anstieg der Beschäftigtenzahl auf rund 2300. Das plötzliche Ende kam 1970/72, als der Betrieb verkauft wurde, gefolgt von Entlassungen und der Auslagerung lukrativer und zukunftsträchtiger Betriebsteile. Die Belegschaft versuchte sich mit Demonstrationen, Kundgebungen und einem Arbeitskampf zur Wehr zu setzen, konnte aber die endgültige Schließung der Fabrik 2007 nicht verhindern.

Nach einer Zwischennutzung erfolgte 2020/21 der umfangreiche Umbau von Gebäuden und Hallen für das Junge Schauspielhaus, die Hochschule für Musik und Theater sowie die freie Theaterinitiative Wiese. Das Verwaltungsgebäude am Barmbeker Stichkanal wurden in diesem Jahr abgerissen, um für einen Neubau Platz zu schaffen, in den 2024 das Bezirksamt Hamburg-Nord einziehen soll.

Kontakt: Geschichtswerkstatt Barmbek, T 293 107

Die Trommelgruppe Kion Dojo aus der Kulturfabrik Wiese eröffnete die Ausstellung „Von der Maschinenfabrik zum Bezirksamt“ musikalisch

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