20. Mai 2020
Allgemein

Kinobetreiber wollen endlich aufmachen

Öffnungsoptionen für das Hansa-Filmstudio

John-Christopher Barsoe (Archivfoto, rechts) und Dieter Lange vom Bergedorfer Hansa-Studio vermissen eine Perspektive für ihr Kino. Seit zwei Monaten muss es geschlossen bleiben Foto: Schubert

John-Christopher Barsoe (Archivfoto, rechts) und Dieter Lange vom Bergedorfer Hansa-Studio vermissen eine Perspektive für ihr Kino. Seit zwei Monaten muss es geschlossen bleiben Foto: Schubert

LOHBRÜGGE Der Auftritt im Radio war kurz und enttäuschend für John-Christopher Barsoe. Im Morgenprogramm von NDR 90,3 bestand letzte Woche die Möglichkeit, Fragen an Bürgermeister Peter Tschentscher zu richten, und der Betreiber der Hansa-Filmstudios an der Alten Holstenstraße nutzte die Gelegenheit für die Frage: „Wann können wir in Hamburg endlich die Kinos wieder öffnen?“

Doch Tschentschers Antwort war nicht gerade konkret: Er könne sich vorstellen, dass unter Einhaltung der Abstandsregeln mit Besetzung nur eines Teils der Kinostühle auch dort wieder Programm laufen könne. Entschieden sei dazu aber noch nichts. Zudem sei es ratsam, Lockerungen nicht gebündelt, sondern in Teilschritten vorzunehmen. Nur so könnten die Folgen einer Lockerung richtig eingeschätzt werden.
„Jetzt bin ich genauso schlau wie davor“, ärgert sich Barsoe. „Das war doch eine absolute Null-Antwort.“ Und die Möglichkeit, mit weiteren Fragen nachzusetzen, hatte er beim NDR nicht. „Ich habe dort nicht einmal mit einem Mitarbeiter telefoniert, sondern konnte meine Frage nur auf eine Mailbox sprechen. Unangenehmes Nachhaken ist bei unserem Bürgermeister anscheinend unerwünscht.“
Dabei hätte er zum Thema fortgesetzte Kinoschließungen gern ein paar Detailfragen geklärt: „Etwa warum wir unsere Kinos weiterhin geschlossen halten müssen, während Nagelstudios, Massagesalons und Fahrschulen den Betrieb wieder aufnehmen dürfen. Da lassen sich doch die Abstandsregeln viel schwieriger einhalten und kontrollieren als bei uns im Kinosaal.“
Unverständlich findet Barsoe auch, dass die Hansestadt auf ihre verschlossenen Kinosäle beharre, obwohl die Filmtheater im benachbarten Schleswig-Holstein ebenso wie in Hessen schon wieder Filme zeigen dürfen: „Wir sollten doch besser vermeiden, dass die Leute zwischen den Ländern hin- und herfahren. Genau das passiert aber hier oben im Norden: Die Bergedorfer fahren ins Kino nach Geesthacht, die Leute in Hummelsbüttel oder Langenhorn nach Norderstedt oder nach Quickborn. Das kann doch wohl nicht Sinn der Sache sein.“
Dabei sollte eine Öffnung der Häuser nach seinen Worten im besten Fall mit mehreren Wochen Vorbereitung erfolgen. „Ein Kino lässt sich nicht so kurzfristig öffnen wie ein Restaurant. Denn die Filme muss man in der Regel mit sechs Wochen Vorlaufzeit bestellen.“
Dennoch hofft Kinomann Barsoe, dass er spätestens nach Pfingsten an der Alten Holstenstraße wieder Kinoprogramm bieten kann: „Wir haben ja noch Filme liegen, die bei uns im März nicht zu Ende gelaufen sind: Starten werden wir aller Voraussicht nach mit Disneys ,Onward’, außerdem mit den ,Känguru-Chroniken’ und mit ,Trolls 2’, auch wenn es den jetzt schon als Video on Demand gibt.“ Die Hesse-Verfilmung „Narziss und Goldmund“ ist ebenfalls am Start.

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