2. September 2021
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„Wir wollen die Mieten deckeln“

Farbe bekennen Żaklin Nastić (Linke) zu Fragen der Wohnungspolitik

Sozialer Wohnungsbau angesichts von Baustoffknappheit beschäftigt auch die Linken Fotos: GettyImages

HAMBURG Im Rahmen der Serie zur Bundestagswahl heißt es für die Hamburger Spitzenkandidaten „Farbe bekennen“. Je fünf Fragen zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen hat die Redaktion gestellt. Heute Żaklin Nastić von der Links-Partei.

Hamburger Wochenblatt: Die Mieten gerade in Ballungszentren steigen unaufhörlich. Ist eine Mietpreisbremse der richtige Weg, Mieter vor höheren Kosten zu schützen?

Żaklin NastiĆ: Die Mietpreisbremse verfehlt ihr Ziel, weil sie das Spekulieren mit Wohnraum nicht unterbindet. Wir wollen den Anstieg der Preise nicht bremsen, sondern letztlich umkehren und die Mieten deckeln. Wohnen ist ein Menschenrecht, welches die Regierung durchsetzen muss.

WB: Mit der Fusion zwischen Vonovia und Deutsche Wohnen soll Europas größter Wohnungskonzern entstehen. Mieter und Verbände sind in Sorge: Entsteht hier ein Gigant mit zu viel Macht?

NastiĆ: Wir lehnen solch eine Marktkonzentration ab. Börsennotierte Wohnungskonzerne haben das Interesse, Gewinne zu erwirtschaften. Die haben im Bereich Wohnen nichts zu suchen. Wohnen ist Daseinsvorsorge. Es ist Aufgabe von der Regierung, das Menschenrecht auf Wohnen umzusetzen.

WB: Deutschland rühmt sich für seinen Boom in Sachen Wohnungsbau. Werden wirklich genügend Sozialwohnungen gebaut?

NastiĆ: Jeden Tag fallen mehr als 70 Wohnungen aus der Sozialbindung. Es fehlen in Deutschland mehr als fünf Millionen Sozialwohnungen. Die Zahl dieser Wohnungen hat sich seit 2005 halbiert. Wir fordern, 15 Milliarden Euro für Sozialwohnungen sowie kommunale und genossenschaftliche Träger bereitzustellen.

WB: Baugrund ist gerade in Ballungsräumen knapp und teuer. Sollte man dort den Bau von Einzelhäusern reglementieren oder gar verbieten?

NastiĆ: Es ist wahr, dass wir in den Städten eher verdichten müssen – aus Platz-, sozialen und aus Gründen des Klimaschutzes. Wir sollten in den Städten so verdichten und Grundstücke so bebauen, dass möglichst mehr Wohnungen entstehen – vor allem deutlich mehr bezahlbare
Wohnungen. Wir wollen niemandem sein Einzelhaus wegnehmen.

WB: Wer Holz kaufen will, steht auch in Baumärkten aktuell oft vor leeren Flächen.
Die Baubranche schlägt schon Alarm. Sollte Deutschland den Export unterbinden, um den Wohnungsbau nicht weiter zu gefährden?

NastiĆ: Ja, in einer Krise muss man mal drastische Schritte vornehmen. Rohstoffe zur Weiterverarbeitung zu verschiffen ist aus ökologischer Sicht auch nicht sinnvoll. Der Holzpreis hat sich – auch durch Exportdruck – zwischenzeitlich verfünffacht. Handwerker können Aufträge nicht wahrnehmen. Wir müssen auch die Aufforstung forcieren, statt nur abzuforsten.

Seit 2017 dabei

Żaklin Nastić wurde 1980 in Polen geboren und kam als Kind nach Hamburg. Sie ging in der Hansestadt zur Schule, studierte und war elf Jahre lang Angehörigenpflegerin. Seit 2008 engagiert sie sich in der Linken, ist Landessprecherin und vertrat Linken-Positionen in Eimsbüttel sowie in der Bürgerschaft. 2017 wurde sie erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt und ist menschenrechtspolitische Sprecherin der Linksfraktion. In Hamburg ist Nastić Spitzenkandidatin der Linken.

Żaklin Nastić will zum zweiten Mal nach Berlin Foto: Linke

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