11. Oktober 2021
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Senioren im Straßenverkehr

Überprüfung der Fahrtauglichkeit ab 75 Jahren?

Führerschein

2018 waren Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge insgesamt 79.738 ältere Menschen an Unfällen mit Personenschaden beteiligt Foto: GettyImagess

HAMBURG Wer in Deutschland eine Fahrerlaubnis erwirbt, besitzt diese in der Regel auf Lebenszeit. Es existieren keine Gesetze, die das Autofahren im Alter verbieten oder Senioren dazu verpflichten, ihren Führerschein ab einem gewissen Alter abzugeben. Auch regelmäßige Überprüfungen der Fahrtauglichkeit, wie sie etwa in Dänemark oder Großbritannien bei Rentnern durchgeführt werden, sind nicht vorgeschrieben.
Lediglich Lkw-, Bus- und Taxi-Fahrer müssen ihre Fahrerlaubnis normalerweise alle fünf Jahre verlängern und benötigen dazu eine ärztliche Untersuchung des Sehvermögens sowie eine Bescheinigung über eine ärztliche Untersuchung der körperlichen und geistigen Eignung.

2018 waren Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge insgesamt 79.738 ältere Menschen an Unfällen mit Personenschaden beteiligt, was einen Anteil von 13,4 Prozent aller Unfallbeteiligten ausmacht. Zum Vergleich: Obwohl junge Fahrer aufgrund ihrer Unerfahrenheit im Straßenverkehr grundsätzlich als Risikogruppe gelten, handelte es sich lediglich bei 35.096 Beteiligten um Fahranfänger im Alter von 18 bis 21 Jahren (5,9 Prozent).

In zahlreichen europäischen Ländern ist der Führerschein befristet. So gilt er laut ADAC beispielsweise in Finnland, Großbritannien, Irland, Norwegen und der Schweiz bis zum 70. Lebensjahr. Für eine Verlängerung ist eine ärztliche Untersuchung nötig. In Griechenland müssen Senioren, die weiter Auto fahren wollen, bereits mit 65 zum Arzt. In Italien, Luxemburg und den Niederlanden der Führerschein zunächst jeweils auf zehn Jahre befristet. Von unterschiedlichen Altersstufen an sind dann Überprüfungen erforderlich. In Portugal wird der befristete Führerschein nach dem 50. Lebensjahr erst nach ärztlichem und psychologischem Test verlängert.

„Spätestens ab dem 75. Lebensjahr sollten Untersuchungen verpflichtend sein“, sagen deshalb immer mehr Politiker, der Automobil Club Europa (ACE) sowie viele Versicherer und bringen Tests mit Empfehlungscharakter ins Spiel. Bei schlechter Beurteilung wäre der Führerschein also nicht direkt weg. Gerade haben sich wieder rund 200 Verkehrsexperten, Juristen und Versicherer im Rahmen des Verkehrsgerichtstages in Goslar über das Thema Senioren im Straßenverkehr ausgetauscht.

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