12. Mai 2022
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Parkdeck wird zum Gemüseacker

Projekt Essbare Stadt soll Vorbild sein

Gärtnerin

Gärtnerin Lisa Wolff liebt die Arbeit auf dem Dach und möchte auch andere Nachbarn von dem Konzept begeistern Foto: Grell

HAMBURG Rothenburgsort ist ein trendiger Stadtteil, in dem viele geniale Ideen umgesetzt werden. Hier wird ein leerstehendes Toilettenhäuschen zur Kulturstätte umgewandelt, Müll am Elbeufer mit den eigenen Händen aufgesammelt und auf einem alten Parkdeck mitten im Industriegebiet der Billstraße jetzt ein Stadtgarten mit Kartoffeln, Radieschen und Kopfsalat eingerichtet.

Tomaten sind in den vergangenen Wochen extrem teuer geworden und immer häufiger sieht man auch auf den Fensterbänken des Viertels statt der klassischen Zimmerpflanze jetzt ein paar Tomatenstauden blühen. Der Trend liegt bei der Selbstversorgung mit frischem Obst und Gemüse. Der erste Stadtgarten im Quartier soll nun zum Vorbild werden und Nachbarn und Firmen dazu animieren, sich auch auf Mini-Gartenflächen, dem eigenen Balkon oder der Fensterbank im Gärtnern zu versuchen. „Man kann auch mitten in der Stadt gut das eigene Gemüse selber anbauen“, betont Lisa Wolff, die zuständige Gärtnerin des Projektes „EssBar“, in Rothenburgsort, die gerade die ersten Kartoffeln in die Hochbeete pflanzt und die zarten Erdbeerpflanzen gießt. „Selber anbauen und ernten macht einfach auch Spaß“, betonen die Mitarbeiter des Projektes auf dem Parkdeck.

Menschen, die seit langem einen Arbeitsplatz suchen, finden bei dem Konzept, das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und von der Stadt Hamburg finanziert wird, eine Beschäftigung. Die urbane Agrikultur soll dabei gesunde Lebensmittel direkt in die Stadtteile bringen und zeigen, „dass in den kleinesten Nischen etwas wächst“, weiß auch Mitarbeiter Steven Reinhart (37), der eigentlich aus dem kaufmännischen Bereich kommt, mit dieser neuen Arbeitsstätte aber seinen absoluten Traumjob gefunden hat. „Ich hätte mir vor einem Jahr noch nicht vorstellen können, dass mir die Arbeit an den Hochbeeten so viel Freude bereiten würde.“ Die Pflanzen, darunter auch essbare Blumen, Rukola-Salat und Lavendel, werden zunächst im Treibhaus ausgesät und anschließend in die Hochbeete gepflanzt, um später auch verkauft zu werden.

Der Stadtgarten an der Billstraße 180 könnte also auch andere Firmen und Privatpersonen dazu anregen, auf ihren Dächern auf dem Betriebsgelände, vor ihrem Laden oder in ihren eigenen Gärten einen bunten Acker entstehen zu lassen. Im Juni stellt sich der Stadtgarten in Rothenburgsort vor.

Eröffnung der EssBar: Vom 1.–3. Juni, Programm www.stadtgartenessbar.de

Lavendel
Auch Lavendel wächst auf dem ehemaligen Parkdeck Foto: Grell

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