10. Juni 2021
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„Lichtjahre von früher entfernt“

Start der Fußball-Europameisterschaft: EM-Fieber noch gedämpft

EM

Schaffen es Bundestrainer Joachim Löw und sein Team, die „Todesgruppe“ zu überstehen? Weil auch vier der sechs Drittplatzierten weiterkommen, könnten ein Sieg und ein Unentschieden reichen Foto: Federico Gambarini/dpa

HAMBURG Elf Städte quer über den Kontinent verteilt, 24 Nationen – die diesjährige Fußball-Europameisterschaft ist außergewöhnlich. Vom 11. Juni bis zum 11. Juli wird die beste Mannschaft des Kontinents ermittelt. Deutschland hat nur Außenseiterchancen. Aber nicht nur deshalb ist von großer Vorfreunde in Hamburg nichts zu bemerken.

Überall Menschen in Trikots, Fahnen an Autos, auf Balkons oder an den Fenstern, Public Viewing, Panini-Sammelfieber, Merchandising-Artikel in allen Geschäften – Deutschland war in den vergangenen Jahrzehnten vor und während der Europa- und Weltmeisterschaften ein Land im Ausnahmezustand. Das ist es auch dieses Mal. Allerdings wegen der Corona-Krise und nicht wegen des Fußballs. Wenn es aber losgeht, dürfte die Jagd auf den Titel trotz der Umstände die Schlagzeilen bestimmen. Das Turnier beginnt am Frei-tag, 11. Juni, in Rom mit der Partie Türkei gegen Italien. Deutschland darf alle seine Vorrundenspiele in München bestreiten und trifft im ersten Spiel am Dienstag, 15. Juni, auf Frankreich. Weitere Vorrunden-Gegner sind Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni). Das EM-Finale steigt am Sonntag, 11. Juli, im Londoner Wembley-Stadion.

Die Europameisterschaft 2021 bedeutet für den deutschen Fußball das Ende einer Ära. Bundestrainer Joachim Löw hört nach 17 Jahren beim DFB, davon 15 als Bundestrainer, auf. Seinen Posten übernimmt nach dem Turnier sein ehemaliger Co-Trainer Hansi Flick. Ob die Ära Löw mit einem Triumphzug endet oder ob es ein Abschied mit Schimpf und Schande wird, entscheidet sich bei der EM. Favoriten sind andere. Hoch gehandelt werden vor allem Frankreich, Portugal, Belgien und England.

Euphorie kommt, wenn das Team sportlich überzeugt

Im Hamburger Fußball ist die EM-Begeisterung derzeit eher gedämpft. „Noch fällt es mir schwer, mich intensiv mit dem Turnier zu befassen“, sagt Ali Farhadi, Trainer des Oberligisten Niendorfer TSV. Farhadi glaubt allerdings, dass durchaus Euphorie aufkommen könn-te, wenn die Leistungen der deutschen Mannschaft stimmen und Jogis Jungs vielleicht schon in der ersten Partie gegen Weltmeister und Turnierfavorit Frankreich ein Ausrufezeichen setzen.

Heiko Gevert, Vorsitzender des SC Condor, bemerkt, dass das Turnier so nach und nach mehr in den Fokus rückt. „Es ist aber alles Lichtjahre von dem entfernt, wie wir es früher kannten“, sagt Gevert. Die Menschen seien nach dem langen Lockdown damit beschäftigt, so nach und nach wieder in den Alltag zurückzufinden. Der deutschen Mannschaft gibt der Condor-Vorsitzende keine großen Chancen. Er glaubt, dass das DFB-Team die Vorrunde nicht übersteht.

Bei Dirk Fischer, Präsident des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV), ist das EM-Fieber auch gedämpft, nicht zuletzt wegen der durchwachsenen Leistungen der deutschen Mannschaft in den vergangenen Monaten. Er hofft, dass sich das Löw-Team steigert. „Die U21 zeigt gerade, wie es geht“, so der HFV-Präsident. Die Mannschaft von Stefan Kuntz erreichte bei der Junioren-Europameisterschaft das Finale. Sollten Jogi und Co. nachziehen, hofft Fischer auf Euphorie bei Spielern und Fans.

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