2. Oktober 2021
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Keine Lohnfortzahlung für Ungeimpfte?

Kritik von Gewerkschaftsbund und Gesundheitsexperten

Aufreger

Symbolfotos: GettyImages

HAMBURG Wenn Impf-Verweigerer als Corona-Maßnahme in Quarantäne müssen, wird die Lohnfortzahlung vom 1. November an nicht mehr vom Staat übernommen, Arbeitgeber dürfen das Gehalt aussetzen. Das haben die Länder-Gesundheitsminister beschlossen. Der Druck auf Ungeimpfte nimmt zu.

Die Kommunen haben sich hinter die von den Gesundheitsministern beschlossene Streichung der Entschädigung für ungeimpfte Arbeitnehmer in Quarantäne gestellt. „Es ist eine individuelle Entscheidung, sich trotz des bestehenden Angebotes nicht impfen zu lassen“, sagte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. In der Praxis werde das allerdings kaum eine Rolle spielen, „da sich Betroffene im Falle einer Erkrankung krankschreiben lassen können“.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat derweil scharfe Kritik an dem Beschluss geübt. „Eine Impfpflicht durch die Hintertür lehnen wir weiterhin ab“, sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann. Außerdem bedeute die Neuregelung auch, dass Beschäftigte dem Arbeitgeber ihren Impfstatus offenlegen müssten.
Kritik kam auch von dem Bonner Virologen Hendrik Streeck: „Wir arbeiten mit Strafen und das führt zu einem Druck, wo der Mensch am Ende sagt: Ich sage meinem Arbeitgeber gar nicht, dass ich Corona habe.“

Auch der Gesundheitsexperte von Bündnis 90/Die Grünen, Janosch Dahmen, befürchtet, dass Menschen ihr positives Testergebnis verschweigen. Dadurch würden Infektionsketten nicht unterbrochen und es bestehe die Gefahr einer „versteckten Pandemie“. Stattdessen wäre es besser gewesen, zunächst konsequent 3G-Regeln am Arbeitsplatz einzuführen und die auch zu kontrollieren.

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