15. Januar 2022
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Hamburg-Krimis vom Drogenfahnder

„Bullenbücher“: Mit Abschiedsgeschenk zum Erfolg

Optik

Kriminalhauptkommissar Ben Westphal vor der Davidwache – einem der Schauplätze in seinen Krimis Foto: Gehm

HAMBURG Undercover ist er unterwegs, nur vermummt lässt er sich fotografieren, unter einem Pseudonym hat er seine Hamburg-Krimis „Ich war Bulle“ und „Bulle bleibt Bulle“ veröffentlicht. Denn Ben Westphal, so sein Autorenname, ist langjähriger Drogenfahnder des Hamburger Landeskriminalamts und darf unter keinen Umständen erkannt werden.

Wenn der gebürtige Marien-thaler Ermittlungsarbeit beschreibt, weiß er, wovon er spricht. Schließlich arbeitet er beim Rauschgiftdezernat im „Kilogramm-Bereich“. Die schweren Jungs, die er im Visier hat, verschieben containerweise Kokain und Marihuana. Auch wie seine Kollegen ticken, erfährt der Leser, denn so, wie Westphal die „Bullen“ in den beiden Krimis schildert, sind sie „in echt“. Selbstironisch zeichnet der 40-Jährige auch sein eigenes Bild als Ermittler Tim Dombrowski, der viel lieber Kakao statt Kaffee trinkt.

„Eigentlich habe ich den ersten Krimi als Abschieds­geschenk für einen Kollegen geschrieben, der mit seiner Pensionierung nicht klarkam“, sagt der Kriminalhauptkommissar. Deshalb durfte er zumindest in dem Buch noch einen großen Fall aufklären – quer durch Hamburg, meist an sozialen Brennpunkten.

Alles beginnt im ersten Krimi „Ich war Bulle“ mit der Abschiedsfeier. Im Fortsetzungsband „Bulle bleibt Bulle“ lässt Westphal seinen Helden sogar bis nach Barcelona reisen, um den Tätern auf die Schliche zu kommen.

Dritter Band in Arbeit

Tiefe Einblicke gewährt der Kripobeamte sowohl in die Subkultur organisierter Kriminalität als auch in polizeiliche Ermittlungsarbeit. Erstaunlich wenig wird in den „Bullenbüchern“ geschossen. „Mord und Totschlag habe ich vermieden. An vielen Krimis im Fernsehen stört mich, dass gleich am Anfang einer tot überm Baum hängt. Und dann geht es nur darum, wer es war. Bei unserer Ermittlungsarbeit weiß ich dagegen schon, wer die konkrete Zielperson ist, muss aber die kriminelle Handlung noch nachweisen.“

Bisher kann man die beiden auf eigene Kosten gedruckten Hamburg-Krimis online bestellen oder in einigen Buchhandlungen kaufen. Dort kommen sie so gut an, dass der Drogenfahnder gerade einen dritten Band schreibt. Jetzt hofft er auf einen Verlag, der die wachsende Buchreihe herausbringt. An genügend Zündstoff mangelt es nicht. Denn „ein Räuber-und-Gendarm-Spiel wird es immer bleiben.“

Ben Westphal: „Ich war Bulle“, ISBN 978-3-754-126.905; „Bulle bleibt Bulle“, ISBN 978-3-754-161.401. Beide 14,99 Euro

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