9. September 2021
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„Autofahren muss bezahlbar bleiben“

Farbe bekennen: Michael Kruse (FDP) zu Fragen der Verkehrspolitik

Wahl

Wie umgehen mit der E-Mobilität (im Uhrzeigersinn von oben l.), dem Flugverkehr, den Trockenperioden und der Windenergie? Die FDP hat Lösungsansätze im Programm Fotos: GettyImages

HAMBURG Im Rahmen der Serie zur Bundestagswahl heißt es für die Hamburger Spitzenkandidaten „Farbe bekennen“. Je fünf Fragen zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen hat die Redaktion gestellt. Heute Michael Kruse von der FDP.

Hamburger Wochenblatt: Die Kfz-Steuer ist schon – angepasst an den CO2 CO2-Ausstoß des jeweiligen Fahrzeugs – zum 1. Januar erhöht worden. Die Benzinpreise sollen ab 2023/2025 um 15 beziehungsweise 17 Cent steigen. Will man den Deutschen das Autofahren vergraulen?

Michael Kruse: Eine innovative, ökologische und bezahlbare Mobilität erfordert eine zukunftsweisende Verkehrs- und Abgabenpolitik ohne ideologische Vorgaben. Durch die von uns geforderte Ausweitung des CO2-Emissionshandels werden sich umwelt- und klimafreundliche Motoren und alternative Kraftstoffe durchsetzen, damit auch zukünftig das Autofahren bezahlbar bleibt.

WB: Ist der E-Antrieb wirklich der richtige Weg zur klimaschonenden Mobilität? Oder ist angesichts ressourcenfressender und schädlicher
Akku-Produktion nicht Wasserstoff die bessere Lösung?

Kruse: Wir fordern Technologieroffenheit, um im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes optimale Antriebe und Anwendungen zu ermöglichen. Alternative Mobilitätskonzepte sollen erkundet werden, ohne bestimmte Antriebstechnologien zu bevorzugen. Nur so lassen sich die Möglichkeiten von Wasserstoff, Batterie oder alternativen Kraftstoffen optimal nutzen.

WB: Ist angesichts des negativen Rahmens für die Windenergie die Klimaneutralität bis 2035 wirklich zu schaffen?

Kruse: Um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen, wollen wir Liberalen ein CO2-Limit einführen, das jährlich verbindlich sinkt. Wir deckeln den CO2-Ausstoß und machen Druck für den Wandel. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) behindert heute den Ausbau von Windenergie, deswegen muss es abgeschafft und durch einen besseren Rahmen ersetzt werden.

WB: Sollten Flüge auf Kurzstrecken in Deutschland verboten werden?

Kruse: Nein, auch beim Flugverkehr setzen wir auf Technologieoffenheit zum Erreichen der Klimaneutralität. Der Emissionshandel erfordert keine kleinteiligen Vorgaben oder Verbote für einzelne Bereiche. Ziel muss es sein, dass die Flugzeug­industrie ihre Flotte klimaneutral macht, zum Beispiel mit synthetischen Kraftstoffen oder Wasserstoff.

WB: Drei Dürrejahre in Folge haben gezeigt, dass Deutschlands Wasserreichtum keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Wie schaffen wir es, sauberes Trinkwasser auch in der Zukunft zu gewährleisten?

Kruse: Hamburg hat eine hervorragende Wasserversorgung und befindet sich auch wegen des Zuzugs im Austausch mit dem Umland im Süden, um weitere Brunnen zu bohren. Zudem spielt die Aufbereitung von Regenwasser eine wichtige Rolle, das heute vielfach ungenutzt in die Kanalisation geleitet wird.

Abitur in Bramfeld

Michael Kruse ist am 30. Dezember 1983 in Hamburg geboren und aufgewachsen. Er studierte nach dem Abitur am Johannes-Brahms-Gymnasium in Bramfeld von 2003 bis 2008 Volkswirtschaftslehre an der Uni Hamburg und von 2005 bis 2006 an der University of Liverpool. Nach seinem Abschluss als Diplom-Volkswirt arbeitete Kruse bis 2011 in Hamburg und Berlin als selbstständiger Unternehmensberater. Dieser Tätigkeit geht er seit seiner Wahl in die Hamburgische 2015 wieder nach. Kruse ist ledig und hat keine Kinder. Seit 2007 ist er Mitglied der FDP. Von 2010 bis 2012 war er Mitglied im Bundesvorstand der Jungen Liberalen, von 2011 bis 2015 Fraktionsgeschäftsführer der FDP-Fraktion in der Bürgerschaft. Er gehörte als parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bürgerschaftsfraktion dem Fraktionsvorstand an und war wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion. Von 2017 bis 2020 war Kruse Fraktionsvorsitzender. Nachdem die FDP bei der Bürgerschaftswahl 2020 an der Fünfprozenthürde gescheitert war, löste sich die Hamburger FDP-Fraktion auf, und Kruse schied aus der Bürgerschaft aus. Jetzt ist Kruse Spitzenkandidat der FDP Hamburg für die Bundestagswahl und Landesvorsitzender der Elbliberalen.

FDP
Michael Kruse (37) Foto: FDP

 

 

 

 

 

34,6 Prozent reichten zum Direktmandat

♦ Wenn am 26. September die 20. Bundestagswahl steigt, sind in Hamburg rund 1,3 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Hansestadt ist dabei unterteilt in sechs Wahlkreise mit insgesamt 1268 Wahllokalen.

♦ Der Wahlkreis 22 umfasst vom Bezirk Wandsbek die Stadtteile Bramfeld, Eilbek, Farmsen-Berne, Jenfeld, Marienthal, Rahlstedt, Steilshoop, Tonndorf, Volksdorf und Wandsbek. Am 26. September sind 233.094 Bürger/-innen zur Wahl aufgerufen. Bei der Wahl 2017 waren 211.825 Einwohner wahlberechtigt. 73,3 Prozent davon nutzten die Chance und wählten die SPD-Frau Aydan Özoguz mit 34,6 Prozent.

♦ Wussten Sie eigentlich, dass die Bundestagswahl 2017 die teuerste Wahl war, die je in Deutschland statt­gefunden hat? Die Wahl kostete insgesamt etwa 92 Millionen Euro. Bei einer ähnlichen Kostensteigerung wie 2017 könnte die Bundestagswahl 2021 den Bund mehr als 100 Millionen Euro kosten – bei 60,4 Millionen Wahlberechtigten. Die Wahl 2013 hatte „nur“ 77 Millionen Euro gekostet – bei 61,5 Millionen Wahlberechtigten.

♦ Unentschlossene Wähler finden indes eine kostenlose Hilfestellung durch den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Mit dem Wahl-O-Mat können Sie online Ihre eigene politische Einstellung mit den Positionen der Parteien vergleichen.

Das Tool steht unter www.bpb.de

 

Weitere Infos und Fakten rund um die Wahl können Sie auch hören – der Podcast des Hamburger Wochenblatts macht’s möglich. In zwölf Folgen – Start war am 14. August, neun sind schon online – bieten wir immer mittwochs und samstags neue Hintergründe zum Immer-wieder-Hören unter www.hamburgerwochenblatt.de

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