6. Februar 2021
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Tiere nicht im Internet kaufen

Großes Herz für Tiere: Tierheimleiter Sabine Löwenstrom mit Tierheimleiter Frank Weber Foto: privat

„Wir erleben einen unwahrscheinlichen Run auf Hunde, Katzen und Kleintiere“, lautet die Corona-Bilanz von Sabine Löwenstrom aus dem Franziskus Tierheim.

Die stellvertretende Tierheimleiterin und Leiterin der Geschäftsstelle des Bundes gegen Missbrauch der Tiere (bmt) ist alarmiert: „Wenn sich irgendwann alles wieder normalisiert, haben wir Angst vor einem Bumerang. Irgendwann werden wir überrannt.“ Vielen Menschen sei im Lockdown langweilig. Sie können keinen Sport treiben und auch viele andere Freizeitmöglichkeiten fallen weg. Insbesondere Hunde scheinen da die idealen Partner zu sein.

„Wir haben eine wahnsinnig hohe Nachfrage auch für das Gassigehen“, erzählt Sabine Löwenstrom. Besonders gefragt sind junge, kleine und mittelgroße Hunde. Große, kranke Hunde hingegen warten meist vergeblich auf ein neues Zuhause. Sabine Löwenstrom und ihre Kollegen achten streng darauf, dass die Tiere in gute Hände geraten. Telefonisch wird kontrolliert, ob die vermittelten Tiere artgerecht gehalten werden. „Wenn mir ein Tier am Herzen liegt, komme ich auch vorbei“, erklärt Sabine Löwenstrom. Derzeit nutzen aber auch unseriöse Züchter den Boom und verkaufen Welpen beispielsweise über ebay-Kleinanzeigen. „Bloß keine Tiere im Internethandel kaufen“ bittet Löwenstrom inständig. „Man weiß nichts über ihre Herkunft, es gibt auch keine tierärztliche Untersuchung.“ Sobald der Lockdown gelockert wird und die Menschen wieder in ihre Büros müssen oder das Reisen nachholen wollen, befürchtet sie einen starken Rücklauf. Sabine Löwenstrom fühlt sich an die traurigen Bilder ihrer Kindheit erinnert, als Hunde vor Urlaubsreisen an der Autobahn ausgesetzt wurden.

„Wir entwickeln uns gerade zurück. Das eigene Ego ist immer viel wichtiger. Je länger ich Tierschutz mache, desto mehr fühle ich mich wie in einem Hamsterrad.“ Frustrierend sei es auch, dass sie keine finanzielle Unterstützung von der Stadt bekämen. Unabhängig von der Corona-bedingten Nachfrage rät sie allen interessierten Paaren dringend, sich im Vorwege zu fragen, was im Falle einer Trennung oder bei Familiennachwuchs mit dem Hund passieren soll. Und wer nach der Home-Office-Zeit wieder ins Büro muss, muss für die Betreuung seines Vierbeiners sorgen: „Eine Hunde-Betreuung kostet 25 bis 30 Euro pro Tag, das ist ein hoher Kostenfaktor“, mahnt die Tierschützerin. mf

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